Die Menschen Tadschikistans – und die vielen, vielen Höhenmeter

Hallo ihr Lieben,

wie schön, dass ihr fast alle wieder dabei seid!!

Ich muss nämlich unbedingt noch ein paar Worte über die Menschen verlieren. Egal wo auch immer wir auftauchen, wir werden mit einem Lächeln empfangen, gefragt woher wir kommen und, gerade als Deutsche, willkommen geheißen. Sogar an der Straße Duschanbes stehende Polizisten grinsen uns entgegen und sagen diese netten beiden Worte, die wir so oft hier noch hören werden: ‚Welcome to Tadschikistan!‘  Nie werden wir bedrängt, nur mit höflicher Distanz betrachtet, angelächelt und, ja, wir werden um ein gemeinsames Foto gebeten. Zum ersten Mal fragt nicht Paul, ob er fotografieren darf, na gut, das macht er natürlich auch, aber immer kommt zurück, ob sie auch mit uns ein Foto bekommen. Die jüngere Generation bittet um Selfies – wir kommen uns wie berühmte Persönlichkeiten vor. Es ist jedenfalls immer sehr lustig und nett, ja, direkt berührend.Und, wie wir ja inzwischen wissen, wird uns diese Gastfreundschaft selbst bis in die höchsten Berge und ins kleinste Dorf hinter dem letzten Hügel begleiten …

Am nächsten Morgen machen wir uns bereit zur ersten Tour. Wir fühlen uns fit und sind gespannt, wie wir den ersten Tag erleben werden. Ein wunderschöner Weg am See entlang und durch ein kleines Wäldchen veränderte sich mit zunehmender Höhe in ein steiniges Etwas. Wir überwanden Geröllfeld um Geröllfeld und immer wenn wir dachten, dahinter muss doch jetzt der See kommen, kam – der nächste Hügel.

Endlich war es geschafft und die Mühen waren beim Anblick des Sees vor dem Gletscher und diesen interessanten Bergformationen vergessen. Es handelt sich zwar tatsächlich um einen richtig trüben See, aber dennoch genossen wir den Ausblick auf ihn mit seinem fast ans Ufer reichenden Gletscher sehr.

Abdu und Manucher zauberten nun erstmal aus ihren Rucksäcken ein köstliches Picknick, sodass wir wieder zu Kräften kamen. Sie hatten Brot, Nudeln, Tomaten, Gurken, Wurst, Käse und Sardinen samt Cola mit hoch getragen. Sogar eine Tischdecke und Ketchup findet sich noch im Rucksack.

Der Abstieg war kaum weniger anstrengend, jeder, der schon mal steil ein Geröllfeld gelaufen ist weiß wovon wir sprechen.

Dennoch genossen wir den Rückweg mit seinem Ausblick auf den Alaudin-See, an dem unsere Zelte noch vom Vortag stehen, sehr! Zwischendurch konnten wir unsere Wasservorräte an einer Quelle auffüllen und erreichten das Zeltlager schon am späten Nachmittag wieder.

Ein heißer Tee von unserem Koch Abdurohid, eine Wassermelone und Kekse erwarteten uns bereits und brachten verlorene Energie zurück.

Vor dem Abendessen legten wir uns noch ein wenig hin, wir waren doch ein wenig erschöpft und wollten wegen des morgigen großen Aufstiegs mit 1000 Höhenmetern auf den mit 3860m höchsten Pass dieser Tour mit unseren Kräften ein wenig haushalten. Das Abendessen stärkte uns wieder.

Am nächsten Morgen sammeln wir uns um Manucher, unseren Bergführer, der, genau wie am Tag vorher, den Aufstieg zum Alaudin-Pass mit gleichmäßig langsamen, kleinen Schritten anführt. Ein angenehmes Tempo. Der Unterschied zum Vortag ist der, dass heute das Ziel bereits vor Augen liegt (was es nicht einfacher macht), da der Weg direkt hinter unseren Zelten gefühlt geradewegs steil nach oben führt. Unsere kleine Karawane schlängelt sich hintereinander den Berg hoch, Schritt für Schritt kämpfen wir uns höher.

Die Luft wurde immer knapper und so schnaufen wir ganz schön, machen immer wieder kurze Pausen. Die letzten 100m fallen mir persönlich ziemlich schwer, weil ich die dünne Luft auf den Bronchien spüre. Ich muss öfters mal stehen bleiben, um wieder Kräfte und Sauerstoff zu sammeln. Wie gut, dass gerade eine Eselkarawane kommt, die wir vorbei lassen müssen.

Endlich ist es geschafft. Auf dem Pass klatscht uns Manucher lachend ab und wir freuen uns gemeinsam über dieses erreichte Etappenziel.

Natürlich halten wir uns für eine kleine Weile an diesem besonderen Ort auf, Manucher erklärt uns die Namen der umliegenden Fünftausender und erzählt uns, dass er alle Gipfel schon bestiegen hat. Wie toll, dass wir einen solch ortskundigen und erfahrenen Mann bei uns haben. Da er zwar kein Deutsch, dafür aber französisch spricht, kann er sich auch ohne den Guide und Übersetzer Abdu immer mal wieder mit mir unterhalten. So sind wir samt Uli, der unsere Gruppe ja erst möglich gemacht hat, eine wirklich intensive kleine Gruppe und die Chemie zwischen uns allen stimmt perfekt.

Abdu ist übrigens im Winter Deutschlehrer, Manucher Geschichtslehrer und unser Koch Taxifahrer. Jeder hat hier mehrere Jobs, je nach Wetter. Nur die Eseltreiber ruhen im Winter lieber zu Hause in ihrem Dorf aus.

Von der anderen Seite des Berges sehen wir übrigens den Tschapdara-Berg mit 5137m Höhe, einfach gewaltig, noch dazu mit seinem riesigen Schneefeld!

Der Abstieg zum Dushoha-See zieht sich ganz schön, ist aber wunderschön! Wir machen zwischendurch unsere Mittagspause, zu der unsere Esel mit unserem Gepäck an uns vorbei ziehen. Sie gehen schon mal vor, um die Zelte und einen Tee für uns vorzubereiten.

Endlich ist unser Zeltlager in Sicht …

Geschafft! Heißer Tee und Ausruhen ist angesagt! Am Abend gab’s noch Lagerfeuer …

Soweit erstmal von uns, genießt Pauls tolle Fotos und taucht mit uns weiter in eine unglaubliche Reise ein. Wir freuen uns!

Eure Weltenbummler Barbara & Paul

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4 Kommentare zu Die Menschen Tadschikistans – und die vielen, vielen Höhenmeter

  1. Monika sagt:

    Traumhaft!!!
    Sonntagmorgen, ein Kaffee und Euer Reisebericht – was will man mehr…
    Es freut mich, dass Ihr es offenbar so ideal angetroffen habt und dass Ihr die Höhe gemeistert habt!
    Ich bin schon gespannt auf den nächsten Eintrag!
    Viel Spaß weiterhin!
    Liebe Grüße
    Monika

  2. Véro sagt:

    Überwältigend! Danke für diese tollen Bilder und für den wunderbaren Text dazu!
    Ich bin von Eurer sportlichen Leistung außerdem sehr beeindruckt!
    Und was lernt man zudem daraus? Immer nützlich die Sprachkenntnisse in frz im Hinterkopf zu haben 🙂
    Weiterhin viel Spaß Euch!
    A bientôt
    Véro

  3. Renate Kirchgäßner sagt:

    Gratulation, Hut ab vor dieser Leistung!! Die Fotos sind überwältigt. Gut zu wissen, dass alles schon hinter Euch liegt, sonst müsste man sich sorgen um Euch machen.

    Bin gespannt wie es weitergeht.
    LG Renate und Rudi

  4. Schwind sagt:

    Hallo Ihr Lieben,

    Angenehmer „Lese-und Bildstoff“ für heute Abend!
    Sehr schöne Bilder! Ist bestimmt sehr beeindruckend, alles live zu erleben.

    Weiterhin viel Spass wünschen Euch die heute mit dem MTB im schattigen Pfälzerwald unterwegs gewesenen
    Uschi&Werner

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