Usbekistan I. – Samarkand, Märchen aus 1001 Nacht

Liebe Freunde unseres Blogs,

nun entführen wir euch in die Welt der früheren Seidenstraße, ins traumhaft schöne Samarkand.

Nach einer kurzen Erholungspause in unserem herrlich zentral gelegenen Hotel holt uns Svetlana zu einer ersten Erkundungstour durch die Stadt ab. Was uns schon beim Durchfahren aufgefallen ist, die Frauen hier tragen kaum Kopftücher, tragen ihre wunderschönen schwarzen langen Haare offen und mit Stolz und sind zum Teil europäisch gekleidet. Es ist eine ausgesprochen gepflegte, fast modern wirkende Stadt, wären da nicht diese eindrucksvoll in blau und türkis leuchtenden historischen Gebäude. Zuerst gehen wir gemeinsam eine Kleinigkeit essen und sind total angetan von diesem netten Lokal, in dem ein uns unbekannter und unentdeckter Vogel Geräusche von sich gibt. Wir fragen Svetlana, woher diese Geräusche kommen und sie zeigt uns verhüllte Vogelkäfige. Darin befinden sich Wachteln, die nur singen, wenn sie im Dunkeln sind. Und weil man das so schön findet, hängen sie in verschiedenen Restaurants. Nein, wir haben sie nicht zu essen bekommen …

Hier ein typisches Beispiel für ein gemeinsames Mittagessen mit der Familie. Männer und große Jungs getrennt von Frauen, Mädchen und kleinen Jungs.Wir freuen uns unbändig auf das Erlebnis, zum ersten Mal den berühmten Registan von Samarkand (wörtlich übersetzt: Sandplatz) zu sehen und zu betreten. Er ist das wohl bekannteste Symbol Usbekistans und gehört bereits zum UNESCO Weltkulturerbe.

Hier fand im Mittelalter nicht nur reges Markttreiben und Viehhandel statt, auf diesem Platz wurde auch Gericht gehalten (ja, auch Hinrichtungen vollzogen) und alle wichtigen Erlasse verkündet. Sandplatz war er vor allem wegen der praktikablen Reinigung nach Markttagen und Hinrichtungen: Die obere, verunreinigte Schicht des Sandes wurde anschließend einfach abgetragen …

Der Platz ist eingerahmt von handwerklich aufwändig gestalteten Medresen verschiedener Epochen, das sind, wie wir gelernt haben, islamische, juristisch-theologische Hochschulen. Auch eine Herberge für Pilger wurde integriert. Die Pilger waren sehr wichtige Leute, denn sie verbreiteten die „Stimmung des Volkes“. Die Oberen hörten ihnen genau zu, was sie von ihren Reisen berichten, um zu hören, was so alles erzählt wird.

Darin haben sich viele verschiedene Kunsthandwerker angesiedelt, die uns gerne ihr Handwerk näher gebracht haben:

Um euch ein wenig in die Geschichte dieser märchenhaften Stadt eintauchen zu lassen, hier kurz ein kleiner Exkurs in die damalige Zeit:

Zu Zeiten des berühmten Herrschers Timur (1370-1405) fand man in Samarkand Menschen aus allen Gegenden der Welt. Timur brachte (wie man erzählt, nicht immer freiwillig) Künstler und Handwerker aus allen eroberten Gebieten der Welt in seine Hauptstadt. Es war die Zeit, als keine Leinen-Kleidung mehr getragen wurde, sondern kostbare Stoffe aus Ägypten und China, aus dem Iran, Indien und Russland. Es entstanden prachtvolle Kunstwerke, die neben Einflüssen aus Indien, dem Kaukasus und Syrien vor allem spektakuläre Akzente persischer Architekten zeigten.

Historische und aktuelle männliche Kopfbedeckungen wurden uns näher gebracht.Svetlana opferte sich als – sehr hübsches, wie wir meinen – historisches Model für die Kleidung der Frauen vergangener Zeiten: Timurs Nachfolger, sein Enkel Ulug’bek war in seiner Nachfolge im Baustil weniger üppig, dafür begann mit seiner Herrschaft (1409-1449) nahezu ein Jahrhundert des Wohlstandes und der von Feinden ungestörten kulturellen Blüte Samarkands. Da wir uns ausschließlich mit der Schönheit und Blütezeit Samarkands beschäftigen, sei hier nur kurz erwähnt, dass die Stadt Anfang des 18. Jahrhunderts verödete und schließlich 1868 dem Russischen Reich einverleibt wurde.

Um mich nicht in langen geschichtlichen Erklärungen zu verstricken, möchte ich mich auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren, die Paul mit seiner Begeisterung für die Fotografie eingefangen hat. Sie bedürfen keiner großen Erklärung, sie wirken in ihrer Schönheit. Vor allem bei Sonnenuntergang …

Ebenso faszinierend ist das für sich alleine stehende Mausoleum Gur Emir:

Auch hier waren uns die Menschen sehr wohlgesonnen und wollten gerne mit uns fotografiert werden.

Die Schönheit der Gebäude, vor allem die Farben, faszinierten uns immer wieder.Unglaublich beeindruckend: das Observatorium Ulug’bek.

Extrem fasziniert hat uns die Gräberstadt Shohizinda, mit ihrem Treppenaufgang und in drei Gruppen langgestreckten Mausoleums-Komplex. Sie gilt auch als Pilgerstätte und Svetlana hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass man die Treppen beim hinaufsteigen zählen muss und beim hinabsteigen. Wenn die Zahl übereinstimmt, sind einem alle Sünden vergeben. Bei mir (!)  hat sie übereingestimmt … 😉

Jeder Eingang führt in eine Grabstätte, es sind wohl 16 Gebäude. Im 13. Jahrhundert wurde der Komplex von Dschingis Chan verwüstet, im 14. und 15. Jahrhundert von den Timuriden erneut aufgebaut. Und dieses Türkis-Blau verbindet sich in solch harmonischer Weise mit dem Blau des Himmels.

Die Bibi Xanom Moschee liegt etwas außerhalb und ist auch erst teilrenoviert. Auch das war nach all den perfekten Gebäuden interessant anzuschauen, wie sie vorher ausgesehen haben und welch eine Arbeit darin steckt. Noch dazu nachdem wir gesehen haben, wie schwer die Brenntechnik der Mosaiken ist.

Nach all den historischen Dingen mal wieder etwas aus dem alltäglichen Leben. An einem Mittag schaut Svetlana auf ihr Smartphone und bemerkt so nebenbei, dass das Internet offenbar wieder läuft. Heute morgen habe sie nämlich keinen Empfang gehabt, erzählt sie. Wahrscheinlich sei das so, weil heute Prüfungstage in den Schulen und Universitäten sind und da wird das Internet mal kurz abgeschaltet, damit die Prüflinge nicht in Versuchung geraten … 😉

Mit ein paar Marktfotos verabschieden wir uns für heute und nehmen euch in Kürze (und einem letzten Bericht) mit auf die Seidenstraße.

Eure Weltenbummler

Barbara & Paul

 

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2 Kommentare zu Usbekistan I. – Samarkand, Märchen aus 1001 Nacht

  1. Véro sagt:

    Magisch!
    Atemberaubend!
    Fabelhaft!

    …mir fehlen eigentlich die Wörter für diese fantastischen Bilder!…

  2. Helmut Baur sagt:

    Beim ersten Teil konnte ich euch nicht beneiden. Da habe ich lieber die bemerkenswerten Fotos mit den trefflichen Texten am Computer genossen.
    Aber jetzt……..?? Was für Bauwerke und welche Pracht. Wirklich außergewöhnlich schön.
    Freue mich auf den letzten Teil.
    Helmut

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