Let’s start – go east!!

Hallo liebe Blogfreunde,

wir haben lange gewartet und nun  entschieden, uns mit dem Wohnmobil auf eine gemütliche, von Vorsicht wegen Corona geprägte Reise in den Osten und den Norden unseres Landes zu machen. Wir wollen uns treiben lassen und je nach Gefühl entscheiden, ob wir ‚bleiben oder gehen‘.

Beginnen müssen wir natürlich (!!) in Eisenach, der Heimat meiner Eltern, wo wir liebe Verwandtschaft besuchen. Ganz herzliche Grüße nochmal an Elke, Andreas und Helmut! Die frisch gegrillte Thüringer Bratwurst in eurem Garten ist einfach unschlagbar! J

Unser erstes für uns neues Ziel ist Görlitz, wir zäumen die Pferde quasi von hinten auf und lassen Dresden und Bautzen vorerst links liegen.

In Görlitz finden wir einen interessanten alternativen Campingplatz mit Namen „Kühlhaus“, der auf einem alten Fabrikgelände im Wald eröffnet wurde und ganz bewusst im Urzustand belassen blieb. Die vorhandenen Gebäude werden genutzt, so als bestes Beispiel eine ganze Reihe von Garagen, wie man sie von früher und eben vor allem aus dem Osten kennt, die als Zimmer vermietet werden. Mit Holzmöbeln eingerichtet und kleinen Terrassen davor, wirklich ideenreich. Und dann gibt es auch noch sehr ansprechende Holzhütten auf Stelzen. Für uns Camper steht eine große Wiese inmitten alter Bäume zur Verfügung und so verbringen wir zwei schöne Nächte dort.


Mit dem Fahrrad machen wir uns auf den Weg in die Stadt, die 500 Jahre mitteleuropäische Baugeschichte auf dem Buckel hat und architektonisch hochinteressant ist, da sie eine Vielfalt verschiedenster Baustile aufweist.

Aber das „Besonderste“ an dieser Stadt ist, dass sie direkt an der polnischen Grenze, die die Neiße bildet, liegt, und die östlichste Stadt Deutschlands ist. Wir sind über zwei verschiedene Brücken gelaufen um unseren Fuß auf polnische Erde zu setzen – ohne jegliche Grenzposten. Ist Europa nicht wunderbar? Lasst uns für unsere Kinder und Enkelkinder immer weiter dafür kämpfen, dass wir es in dieser Weise erhalten können!

Ein Blick nach Polen …
… und einer zurück nach Görlitz!

Görlitz ist wirklich ein Kleinod, die Häuser sind liebevoll restauriert und die erhabene, spätgotische Peterskirche thront über allem. Die Größe des Kirchenschiffes ist schon sehr beeindruckend, wenn auch der insgesamte Eindruck ein wenig enttäuscht. Beeindruckend bietet sich uns die imposante Orgel dar, die Sonnenorgel, die in Grüntönen und mit Engeln bestückt sehr ungewöhnlich wirkt.

Bei unserem Rundgang durch die Stadt kommen wir z.B. durch die bekannte Verrätergasse, die so heißt, weil Tuchhändler im 16. Jhd. um Mitspracherecht an der Stadt-Regierung kämpften – und verloren. Sie wurden leider verraten. So wurden in dieser Gasse neun der Tuchhändler hingerichtet, vierzehn gefangen genommen und fünfundzwanzig wurden ausgewiesen. Was für eine grausame Zeit!

Neben dem Barockhaus steht eines der bedeutendsten Bürgerhäuser der Renaissance – es zeigt Reliefs aus dem alten und neuen Testament.

Barockhaus

Interessant war auch die Besteigung eines der drei noch vorhandenen Wehrtürme der Stadt, dem Reichenbachturm, gleich in zweierlei Hinsicht. Zum einen mussten wir Maske tragen und haben schnell festgestellt, wie wichtig doch Sauerstoff bei Anstrengung ist … zum anderen haben wir auf dem Weg über die 165 Stufen auf jedem Stockwerk viel über die Stadt gelesen. Unter anderem, dass die Bürger, und zwar alle Bürger verpflichtet waren, die Stadt gegen Angriffe zu verteidigen. Dazu erhielten sie Waffen, auch die Frauen, und das entsprechende Training – für den Anreiz dazu gab es gleich zwei Schützenfeste pro Jahr.

Auf den letzten Punkt unseres Plans durch die Stadt freuten wir uns ganz besonders: dort verläuft der 15. Meridian MEZ östlicher Länge. Ein Meridian ist ein halber Längenkreis, der von Pol zu Pol verläuft. Alle Meridiane sind rund 20.000km lang. Die Einführung der mitteleuropäischen Zeit erfolgte in Deutschland am 01.04.1893 – und so tickt Deutschland also nach Görlitzer Zeit.

Der 15. Längengrad verläuft übrigens unter anderem durch Matala in Schweden, durch Gundhjem in Dänemark, durch Gmünd in Österreich und Catania in Italien. Toll, oder?

Und auf dem Weg „nach Hause“ in unser Wohnmobil fanden wir zum gebührenden Abschluss noch ein wunderschönes Plätzchen für einen Cappuccino und ein Stück Kuchen. So ließ es sich doch gleich viel besser weiter radeln …

Das war ein wirklich toller Beginn unserer Reise, das Wetter hat auch unerwartet gut mitgespielt – und so freuen wir uns auf unsere weiteren interessanten Ziele, geplant oder ungeplant.

Habt es gut und bleibt gesund, es grüßen herzlich

Eure Weltenbummler Barbara und Paul

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3 Antworten zu Let’s start – go east!!

  1. Hans Kranz sagt:

    Liebe Barbara, lieber Paul,
    Ja, zu meiner „Vor-Rentner-Zeit“ konnte ich die Wiedergeburt dieser schönen Stadt miterleben. Schon der Wandel von einer „grauen Maus“ 1992 bis 2004 mit vielen restaurierten ganz alten und Gründerzeit Häusern. Auch die Grenze zu Polen war damals nur an den Autoschlangen vor der ersten ( billigen) Tankstelle zu erkennen.
    Zu Eurer weiteren Tour durch unser schönes Land viele gute Erlebnisse und Erkenntnisse.

  2. Renate Kirchgaessner sagt:

    Hallo Ihr Weltenbummler,
    Görlitz ist wirklich ein Kleinod und bestimmt eine Reise wert. Wir freuen uns mit Euch und wünschen noch viele schöne Tage, mit viel Sonnenschein und schöne Augenblicke.
    LG aus Brühl

  3. Roland Höfer sagt:

    Hallo Barbara & Paul

    Welch wunderbare Stadtführung.
    Ihr könnt das richtig toll rüber ringen, fast besser wie live erlebt.
    Kenne Görlitz, Bautzen und andere Städte an der D/PL Grenze nur so am Rande. Aber ganz toll wie es dort aussieht. Sachsen ist sowieso reich an Schlössern und Burgen, teils liebevoll restauriert, andere warten noch auf die Wiederauferstehung.
    Wenn ihr nach Dresden kommt dann werdet ihr noch sehr viel zu sehen bekommen. Versprochen!!
    Ich wünsche Euch noch eine gute Reise und viele schöne Ekndrückd zum Mitnehmen.
    Viele herzliche Grüsse Roland & Angelika

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