La Fin: La Route des Grandes Alpes

So, nun geht’s dem Ende zu, der letzte Blogeintrag von dieser Reise. Wir waren knapp 7 Wochen unterwegs, sind durch 7 Länder gekommen und werden im Folgenden 8 Pässe überqueren.

Noch ein paar Zahlen? Bitte schön: wir sind rund 4700km mit dem Wohnmobil und nochmal 600km mit dem Roller gefahren. Apropos, da muss ich noch einmal kurz aus dem Nähkästchen plaudern. Noch in Italien haben wir festgestellt, dass der Ölfilter des Rollers tropft. Ha, kein Problem, wir sind ja in „Piaggio-Land“. Wir sind zur nächsten Werkstatt gefahren und haben das dem Monteur gezeigt, der genau so wenig deutsch wie wir italienisch sprach: „In Italia nix Problem, nur in Deutschland …“ Na gut, dann fahren wir hier so weiter und lassen es in Deutschland machen. 😉

Wir biegen also direkt von Nizza aus ab in die herrliche Bergwelt der Route des Grandes Alpes. Die Gegensätze unserer Reise sind ein Genuss! Eben noch im Mittelmeer am Boulevard von Nizza gebadet, fahren wir jetzt durch eine fantastische Schlucht hoch auf den Col de la Bonette mit seinen 2802m

Wir kommen auch durch ein verlassenes Dorf und machen auf dem Pass eine Pause. Was sagt ihr zu diesem Fensterblick?!

Col de la Bonette 2802m

Nicht weit unterhalb sehen wir einen wunderschönen Platz auf einer Wiese mit den herrlichsten Wiesenblumen und beschließen, dort zu übernachten. Direkt hinter uns fließt ein Bach entlang, der uns eine kleine Abkühlung bietet und wir genießen die Ruhe der Stunde.  

Es ist unglaublich, wie viele Heuschrecken hier rumhüpfen. Bei jedem Schritt auf der Wiese springen gefühlt 20 in die Luft. Paul hat auch gleich welche im Bild eingefangen, damit wir sie unserem Enkelsöhnchen Josa zeigen können.

Die Fotos der verschiedenen Passstraßen beschrifte ich mal, damit ihr ungefähr wisst, wo wir uns befinden. Besonders lustig fanden wir die vollkommen unerwarteten Toilettenhäuschen in der freien Natur, vermutlich für die Radfahrer aufgestellt.

Col de Vars 2111m
Col d’Izoard 2360m
Col d’Izoard, schaut mal genau hin, hier stehen bereits die Tour-de-France-Fans mit ihren Wohnmobilen auf jedem freien Platz …
Col d’Izoard
Col du Galibier 2646m

Wir sind ja quasi der Tour de France zwei Tage voraus gefahren, haben sozusagen ‚Strecken-Kontrolle‘ gemacht. Und ähnlich wie vor zwei Jahren in den Pyrenäen hatten sich die Fans bereits in Stellung gebracht.

Col du Galibier

Und jetzt seht ihr etwas, was in der Tat Seltenheitswert hat. Wir haben ein ‚Marmotte‘, ein Murmeltier gesehen. Das Tolle ist, dass es so lang sitzen blieb, bis Paul es fotografieren konnte:

Auch den Col de l’Iséran sind wir bei strahlendem Sonnenschein hoch- und auch wieder runtergefahren – im Gegensatz zu den armen Radprofis, die die Abfahrt dann wegen Regen, Schnee und Schlammlawine gar nicht machen konnten.

Col de l’Iséran 2770m mit Blick auf Val d’Isère
Col Cormet de Roselend 1667m
Lac de Roseland

Einen herrlichen Sonnenuntergang hat Paul noch für euch im Bild festgehalten.

Das Ende der Route des Grandes Alpes ist das Städtchen Thonon-les-Bains am Genfer See. Das wäre geschafft! Wir haben erstmal unser Wohnmobil gelobt, dass es uns trotz Roller im Kofferraum ohne Probleme über die teilweise steilen und schmalen Straßen geschaukelt hat.

Was jetzt kommt, ist unsere Heimfahrt, für die Paul als unser Streckenplaner (natürlich!) eine möglichst schöne Strecke ausgewählt hat. Und das ist ihm gelungen, und zwar indem wir uns am Genfer See entlang durchs französische Jura, die Grotte du Trésor entlang unserer Heimat genähert haben.

Genfer See
La Grotte de Trésor
Gewaltige Wolkenformation kurz vor Straßburg

Tja, und nun haben wir eine kleine Träne im Auge, denn wir müssen uns für dieses Jahr wieder einmal von euch trennen … Wir sagen ganz lieben Dank für die vielen Kommentare, Gästebucheinträge und Tipps, es hat uns so, so viel Spaß gemacht mit euch!

Pfiati Gott, bùcsú, opet sresti, zbogom, arrevederci, au revoir, Uf Wiederluege, auf Wiedersehen …

Bis zum nächsten Mal!

… eure Weltenbummler Barbara und Paul

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Die Welt der Schönen und Reichen … und wir

Ganz ehrlich: Paul war’s. Er hat Mailand als Ziel ausgesucht, weil es gut in unsere Tour passt. Ich musste kurz überlegen, stellte mir Mailand allerdings aufgrund seines bekannten Rufes als Wirtschafts- und Industriezentrum entsprechend vor, dann aber fest, dass ich sowieso eine neue Handtasche und ein Portemonnaie brauche (;)) und habe zugestimmt. Na ja, alle, die schon mal dort waren, werden wissen was jetzt kommt. Ich war völlig überrascht und sprachlos.

Aber von vorn. Wir fanden einen Campingplatz etwas außerhalb. Dann, kurze Überlegung wie wir in die Stadt kommen – Roller – Bus … ah, hier gibt es eine Metro. Nachdem wir alle anderen Verkehrsmittel inklusive Boot, okay, außer Zug und Flugzeug, bereits „durch haben“ wählen wir jetzt die Metro. Perfekt.

Als wir die Treppen aus dem Metroschacht hinauf auf die Piazza del Duomo stiegen blieb uns fast das Herz stehen. Was für ein beeindruckender Platz, in wunderbarer Weise umschlossen von solch ungeheuer imposanten Gebäuden.

Natürlich, das imposanteste überhaupt ist der Dom selbst mit seinen vielen Giebeln und Türmchen, und der filigranen Fassade. Wir schauen uns an: hier müssen wir unbedingt als erstes rein, mal sehen, wie lang die Schlange in der Mittagshitze an der Kasse ist.

Das Warten hat sich jedenfalls gelohnt. Hier nur mal so ein paar Zahlen, die müsst ihr über euch ergehen lassen: Der Dom Santa Maria Nascente, genannt Duomo, ist 108,5m hoch, 158m lang und 93m breit – damit gehört er zu den größten Kirchen der Welt. 1386 wurde mit Bau begonnen und 1932 die letzten Verzierungen angebracht.

Seine fünfschiffige Basilika wird durch ein Meer von farbigen Glasfenstern erhellt und die Säulen sind für uns sowieso mehr als beeindruckend (regelmäßige Blogleser wissen ja: das Buch „Säulen der Erde“ und wir!).

Als wir erfuhren, dass man auf die Dachterrassen kommt, gab es natürlich kein Halten mehr. Über die von außen zugänglichen Treppen stiegen wir empor über die Dächer Mailands. Was für ein Augenblick, welch Gefühl über die Dächer des Domes zu laufen, ganz ähnlich ging es uns im Petersburger Dom in Rom.

Jetzt brauchen wir erstmal eine Pause, um unseren Kopf für Neues frei zu bekommen. Wir finden ein nettes kleines Lokal direkt am Platz, in dem wir im 1. OG einen kleinen Tisch am Fenster mit Blick auf ‚Il Duomo‘ ergatterten. Perfekt!

Ein Bummel durch die Stadt, man könnte es Verdauungsspaziergang nennen, führt uns vorbei an der wenig auffälligen Fassade der Mailänder Scala. Was für ein Name und was für eine Optik.

Leider blieb uns der Besuch einer Vorstellung versagt, wir hatten unsere Abendrobe nicht dabei – und die ist hier Pflicht.

So besuchen wir das Castello Sforzesco, ein riesiges Kastell, in dem gleich mehrere Museen der adeligen Familien Visconti und Sforza mit deren angehäuften Kunstschätzen zu finden sind.

Und nun geht’s in die Einkaufsmeilen Mailands! Der Bummel durch die verschiedenen Galerien macht sehr viel Spaß. Zu den imposantesten gehört ohne Frage die Galleria Vittorio Emanuele II, Mailands berühmteste Einkaufspassage. Die Eingänge gleichen Triumphbögen, der Fußboden ist ein einziges Mosaik – die Geschäfte im Innern sind jedoch leider nicht für meinen (ja immer noch alten!) Geldbeutel geeignet. 😉

Foto Einkaufsläden

Ein wenig fündig werden wir an anderer Stelle doch noch, aber eben weder Handtasche noch Portemonnaie. Schuhe hätten es werden können, die Auslagen sind wunderschön.

Als nächstes freuen wir uns auf Besuche. Wir fahren nach Ligurien, hoch ins Bergland, zuerst nach Casanova Lerrone. An steilen, durch Steinmauern gestützten engen Hängen stehen Olivenbäume, die Häuser hängen mehr am Felsen, als dass sie auf dem Boden stehen. Es ist eine für uns unglaublich romantische Gegend, allerdings vermuten wir, unser Wohnmobil war hier anderer Meinung, musste aber mit uns zusammen durch. Eng am Straßenrand geparkt übernachteten wir sogar in luftiger Höhe.

Unser Besuch galt hier einem Freund von Pauls Mama, der ursprünglich vom Bodensee als Künstler in Italien gelandet ist. Trotz hohem Alter und viel anstrengender körperlicher Arbeit mit seinen Olivenbäumen und deren ständig zu reparierenden Mauern, einem großen Obst- und Gemüsegarten,  steht sein Atelier immer noch jedem offen. Atelier Riccardo! Zeit zum Malen hat er im Sommer keine mehr.

Beim Abschied wurden wir von ihm gut bedacht mit den in dieser Gegend einmaligen langen, dünnen Zucchini, Kartoffeln und den gerade reifen Pfirsichen direkt vom Baum (hmmmmm, so köstlich!!) verlassen wir ihn wieder und hoffen, dass er noch lange so fit bleibt, sich in diesem Gelände bewegen zu können.

So starten wir am nächsten Tag nach Prelà, wo wir einen ehemaligen Kollegen von Paul und seine Frau besuchen. Sie haben sich schon vor über 20 Jahren in dieser Gegend einen Sommersitz geschaffen und stetig weiter daran gebaut und umgestaltet. Es ist ein herrliches Anwesen, ebenfalls steil, mit vielen Terrassen, auf denen Olivenbäume und mehr gedeihen. Auf jeder Ebene gibt es schöne Sitzecken und Ruheplätze, die Paul natürlich alle fotografiert hat. Eigentlich. Leider ist der Chip ausgerechnet an diesem Tag kaputt gegangen und wir haben nur drei Handy-Fotos für euch, die ich gemacht habe.

Es tut uns so leid, nicht nur für unsere lieben Gastgeber, Heidi und Albrecht, sondern natürlich auch für uns und euch. Wie gut, dass Paul jeden Abend die Fotos auf unseren PC überträgt, sodass „nur“ die Fotos eines einzigen Tages verloren gehen können.

Umso mehr freuen wir uns drauf, euch von Nizza ein paar Fotos mehr zeigen zu können. Der Weg ans Meer, ein kleiner Abstecher nach Menton, was für ein faszinierender Gegensatz zur Bergwelt Liguriens.

Vor vielen Jahren waren wir mal auf einer Tour entlang der Côte d’Azur, auch in Nizza, konnten allerdings damals wegen Starkregens gar nicht aus dem Wohnmobil aussteigen. Nun haben wir es total genossen, ein paar sonnig heiße Tage hier zu verbringen.

Welch schönes Städtchen – mit dem Flair der Schönen und Reichen, aber auch der Alltagsgesellschaft in den vielen interessanten Gassen der Altstadt.

Schon alleine das Gefühl, mit dem Roller zwischen Porsches, Maseratis und Ferraris entlang der 5km langen Promenade zu fahren – die repräsentativen Barockpaläste neben moderner Architektur auf der einen Seite, das Meer mit seinen Kiesstränden und regem, extrem regen Strandleben auf der anderen, ist unbeschreiblich. Dafür gibt es keine Worte, auch fast keine Bilder, das ist einfach nur toll!

Unser Parkplatz in der Nähe des besten Hotels am Platze, des Hotel Negresco, ist auch perfekt.

Über Nizza wollen wir gar nicht mehr viel parlieren, wir flanieren einfach mit euch ein wenig durch die Stadt …

… damit wir alle Opernhäuser komplett haben, hier die Oper in Nizza.

… machen uns auf in die Altstadtgassen mit den schnuckeligen kleinen Boutiquen …


… und erklimmen die Höhen des schon von weitem erkennbaren Wasserfalles in den Ruinen des Colline du Château, von dessen Terrasse wir einen unbeschreiblich schönen Blick über Nizza haben.  Genießt mit uns die Bilder der Stadt.

Nachdem wir uns bei dem herrlichen Wetter auch noch ein wenig am Strandleben beteiligt haben …

… zum Abschluss noch ein fröhliches Hitzewetter-Foto aus Nizza, wo sich die Kinder auf der Promenade du Paillon, einem grünen Freizeitpark, in einem Fontänen-Spektakel abkühlen.

Am folgenden Tag führt uns unsere Tour bereits kurz hinter Nizza weiter auf die „Routes des Grandes Alpes“.

Ein wirklich wunderschönes Foto, das Paul von einem unserer Übernachtungsplätze in den Alpen gemacht hat (etwas unterhalb floss noch ein kleines Gebirgsbächlein, in dem wir uns waschen konnten), muss ich euch sozusagen als Schmankerl unbedingt vorab zeigen, denn natürlich sind wir unserem Blogbericht immer schon ein Stück voraus. 😉

Damit verabschieden wir uns mal wieder für ein paar Tage mit dem 9. von 10 Blogberichten und herzlichen Gebirgsgrüßen,

eure Weltenbummler Barbara & Paul

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VENEDIG!

Ihr seht schon an der Überschrift, ich habe gar nicht erst versucht, eine besonders einladende, Neugier weckende Formulierung zu finden, die braucht es hier nicht. Einfach nur: VENEDIG.

Diese wunderbare Stadt, die wir bereits vor Jahren mal für einen Tag besucht haben, hat uns aufs Neue mehr als fasziniert. Deshalb seht es uns nach, wenn wir uns in Schrift und Bild eventuell einen Tick zu überschwänglich zeigen.

Wir finden wiederum den perfekten Ausgangspunkt für dieses kleine Abenteuer. Ein großzügig angelegter Campingplatz (auch hier keine andere Möglichkeit und außerdem: Bäume = Schatten! Bei 32 Grad unbezahlbar!) nur 700m zur Schiffsanlegestelle und 2km zum Strand. Und beides kostenlos mit einem Bus zu erreichen, dessen Haltestelle sich exactement am Eingang des Platzes befindet.

Schon die Hinfahrt mit dem Boot ist ja ein Erlebnis. Jeder, der schon mal auf diesem Weg nach Venedig fuhr, weiß, welch eindrucksvolles Bild sich bietet bei der Anfahrt auf die Stadt-Kulisse.

Der Eindruck wird ein klein wenig getrübt in dem Moment, in dem man den Markusplatz erreicht, weil sich die Touristen in Scharen über den Platz, diesen wunderschönen, von gigantischen Gebäuden gesäumten Platz, schlängeln und jeder das beste Foto für sich erwischen möchte. Die Schlange an der Basilika de San Marco war so lang, dass wir uns aus Zeitgründen gegen eine Besichtigung entschieden (da hätten wir doch mal wieder vorbuchen sollen …) und genießen die (Wasser-) Straßen der Stadt. Auf diese Art und Weise behalten wir gerne auch Ziele für ein nächstes Mal.

Auch auf den dem Platz nahen Hauptgassen herrscht noch reges Leben, was sich sichtbar auch auf die Gondel-Touren erstreckt, bei denen zeitweise ein regelrechter Stau entsteht.

Aber sobald wir diesen inneren Zirkel verlassen haben, eröffnet uns die Stadt ihren Zauber. Wir laufen Meter um Meter, jeder Blick um die nächste Ecke ist ein Oh! und Ah! – und für Paul? Na klar, natürlich ein Fotomotiv. Wir können uns nicht satt sehen.

Ein Laden mit selbst gemachten Pasti

Auffällig sind die vielen Geschäfte mit Masken und ganzen venezianischen Verkleidungen. Wir lassen uns verzaubern, bewundern die Vielfalt und vor allem die künstlerische, liebevolle Handarbeit …

… und können nicht umhin, uns für den nächsten Fasching auszustatten.

So schlendern wir also vom zentralen Viertel San Marco über die berühmte Rialtobrücke ins Viertel San Polo und wieder zurück ins Universitätsviertel. Immer wieder sinnieren wir, wo wohl die wunderschöne Terrasse des Commissario Brunetti und seiner Familie sein könnte – und sind sicher, dass er das ein oder andere Mal mit dem Boot an uns vorbeigefahren ist.

Voller herrlicher Eindrücke im Herzen fahren wir wieder zurück und legen unsere müde gelaufenen Beine hoch.

Gerade haben wir den Tisch gedeckt, da wird es windig und die ersten Tropfen fallen. Bereits seit zwei Tagen haben wir nachts heftige Gewitter, morgens scheint dann wieder die Sonne.

Wir räumen schnell alles wieder weg und fahren die Markise ein. Die beste Entscheidung, denn am heutigen Abend wird’s gruselig. Anfangs amüsieren wir uns noch über eine Familie, die dem Wetter strotzt und trotz Wind und Regen weiter stoisch zu Abend isst.  Kurze Zeit später sehen wir sie förmlich an den Seilen der Markise „hängen“, alles schnell wegräumen und dann von Kopf bis Fuß durchnässt ins Wohnmobil spurten.

Der Wind wird immer heftiger, der Regen prasselt aufs Dach und plötzlich beginnt es zu stürmen und in dicken Körnern zu hageln. Wir verstehen uns nicht mehr, also nur unsere Worte (;)) so laut ist es geworden. Der Sturm weht praktisch waagrecht und wir sehen im Dunkel einige größere Dinge durch die Luft fliegen und hoffen, dass das Auto und unsere Dachluken dem ganzen standhalten können.

Am nächsten Morgen eröffnet sich das ganze Chaos: der Campingplatz sieht schlimm aus. Blätter und Äste liegen herum und wir schauen als erstes aufs Dach – dort ist alles in Ordnung. Leider hat die gesamte Fahrerseite gelitten und weist Dellen der Hagelkörner auf.

Der Ärger darüber ist jedoch schnell verflogen, denn es ist ja nichts Schlimmeres passiert. In den nächsten Tagen hören wir von den vielen Unwettern in anderen Gegenden Norditaliens und Griechenland – na, das ging ja noch gut ab bei uns.

Für uns steht nun der Besuch der Biennale auf dem Programm, gestern war Montag und leider geschlossen (!). Damit hatten wir nicht gerechnet und wir entscheiden aus Zeitgründen, dass sich unser Besuch auf das Ausstellungszentrum Arsenale beschränkt. Auch hier hat der Sturm in drei Pavillons Schäden hinterlassen, dennoch ist es sehr interessant, manchmal auch amüsant. Kunst ist eben Kunst – und liegt immer im Auge des Betrachters. Der Leitspruch des Kurators Ralph Rugoff jedenfalls ist definitiv umgesetzt:

“May You Live In Interesting Times” (Mögest du in interessanten Zeiten leben) – das tun wir ohne Frage. Und auch seinem Statement “Das Wichtigste, was eine Ausstellung tun kann, ereignet sich, wenn man sie wieder verlassen hat. Die Menschen gehen in die Welt hinaus und sehen sie anders“ hat seinen Sinn.

Nach einem weiteren Bummel durch den Stadtteil Castello und der Nachricht meiner ‚StepsApp‘: „13.214 Schritte, großartig! Du hast dein Ziel erreicht!“, suchen wir dringend Erholung und landen in einem kleinen Lokal direkt am Kanal. Das Leben kann so schön sein.

Ein weiterer wunderschöner Tag geht zu Ende …

Auch ein Erholungstag muss mal sein, deshalb haben wir einen gemütlichen Tag mit ‚Ordnung schaffen‘ und einem kurzen Besuch am Strand eingelegt.

Der letzte Tag nun gilt Murano, der Glasbläserinsel. Wir wählen den Wasser-Weg über die vielen Inseln um Venedig herum, weil wir dieses Fortbewegungsmittel genießen, das hier in der Tat das Auto, bzw. den Bus ersetzt und eben deshalb so selbstverständlich genutzt wird. Geschäftsleute wie Hausfrauen vom oder zum Einkauf und Touristen begegnen sich auf dem Boot und es ist eine interessante Mischung. Pünktlich geht auch alles vonstatten und nach drei kurzen, versierten Stopps an anderen Inseln kommen wir auf Murano an.

Natürlich dominiert Glas. In allen Variationen. Vom kleinsten Ohrring bis zum riesigen Kronleuchter gibt es alles. Wirklich alles. Wir schauen und staunen – und erleben eine sehr nette kleine Vorführung in einem Familienbetrieb, die sehr beeindruckend ist.

Eines dieser Pferde wurde vor unseren Augen gefertigt. Sehr beeindruckend.

Die Stadteindrücke sind Venedig ähnlich, natürlich …

… und so entscheiden wir uns für die Rückfahrt nach Venedig mit einer Schiffs-Verbindung in den Stadtteil Cannaregio, der uns noch sehr interessiert und nicht ganz so touristisch ist. Diese macht noch einen kurzen Stopp an der Friedhofsinsel (!). Das ist sehr besonders für uns. Alle Verstorbenen werden auf einer Insel begraben, die nur aus Gräbern und einer Kapelle besteht. Sie gehen mit dem Schiff auf ihre letzte Reise … das ist auch schön.

Unsere Entscheidung durch Cannaregio zu laufen war eine gute Idee. Schon bald sehen wir eine der vielen Osterias, in Venezien nennt man sie Bàcaro, in der wir gleich erstmal einkehren. Das ist ja so eine Besonderheit, die ich euch noch kurz beschreiben muss. Die Venezianer, ob Künstler oder Studenten, die den Tag beginnen, ob Handwerker oder die Signora beim Einkauf zu einer kurzen Pause oder die älteren Herren, die die Weltpolitik besprechen wollen, tun dies ab 11:00h morgens in einer Bàcaro. Die Ombra, ein Gläschen Wein (immer nur 0,1l) und dazu einige cicchetti, ein paar Häppchen, bestehend aus ein paar Muscheln, eine Scheibe Salami, Stockfisch oder belegten Mini-Brötchen, unterbricht den venezianischen Alltag immer wieder für ein paar köstliche Minute. Sie erinnern sehr an die spanischen Tapa-Kneipen und die Häppchen sind genauso köstlich.

Nur mal so als „Größe“: in Venedig werden täglich ca. 50.000 ombre getrunken, eine Zahl die anschaulich vor Augen führt, dass es sich bei dem Treffen in der Osteria nicht um eine extravagante Schlemmerei, sondern um ein Ritual handelt, das man gleich mehrmals am Tag wiederholt. Also das hat uns gut gefallen! 😉 Man zahlt dann ganz zum Schluss, so kann man nach Lust und Laune ‚nachlegen‘.

Die Einheimischen ..
… und wir! 🙂

Ein paar Häuser weiter sehen wir gerade den Maître de cuisine in einem kleinen Druckerei-Laden verschwinden und so zieht er, der Laden, seine Aufmerksamkeit auf uns. Das merkt der Besitzer und lädt uns ein, hereinzukommen und zeigt uns mit stolzer Brust, aber auch launig, dass nicht zu viel Aufhebens darum gemacht werden soll, viele ausgestellte Zeitungsberichte, in denen er als „Figlio di Gutenberg“, als „Sohn Gutenbergs“ geschildert wird. Er ist einer der wenigen Drucker, die noch ohne technische Hilfsmittel auskommen. Er druckt jede Seite von Hand, wartet seine Druckmaschinen selbst und hat die berühmtesten Kunden auf der ganzen Welt. Jedoch, so erzählt er uns, möchte er, dass jeder in seine Werkstatt kommt, damit er die Menschen kennenlernt, für die er arbeitet, denn für jeden tut er es nicht. Und das nehmen wir ihm sofort ab.

Gerne zeigt er uns auch noch sein kleines Museum mit alten Lithographien, Ornamenten und Wappen, sowie Visitenkarten und Einladungen.

Das sind Erlebnisse, die man nicht vergisst. Zufälle, die unsere Reisen so interessant machen. Auch wenn wir das eine oder andere Highlight links liegen lassen, weil wir eher nachlässig vorbereitet reisen, finden wir doch aufgrund dessen immer wieder Perlen, die nicht jeder sieht. Das macht uns zufrieden.

So, ihr Blogleser da draußen, wer bis hierher durchgehalten hat, verdient unseren Respekt. Konnten wir unsere Begeisterung und die Liebe zu Venedig transportieren?

Venedig, wir kommen ganz sicher wieder – und dann nehmen wir auch Museen ins Programm und endlich, endlich den Palazzo Ducale, den Dogenpalast. Versprochen. Ein solch beeindruckendes Gebäude, schon 1340 begonnen und wird ‚die venezianische Antwort auf den Palastbau‘ dieser Zeit genannt.

Wir grüßen von dieser Stelle herzlich in die Welt, denn es erfüllt uns mit Stolz, inzwischen Leser in vielen Ländern der Welt zu haben!

Eure Weltenbummler Barbara & Paul

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