Usbekistan II – Die Seidenstraße, der atemberaubende Abschluss unserer Reise

Hallo liebe Blogfreunde,

wir machen uns nun auf den Weg durch die heiße Wüste entlang der Seidenstraße in die Stadt Buchara. Was für ein Gefühl! Hier kommen wir an einer echten Karawanserei vorbei. Wir denken uns zurück in uralte Zeiten, sehen im Geiste die Kamele an uns vorbeiziehen, bepackt mit Seide, Gold und Edelsteinen und hören förmlich das Stimmengewirr der Händler …

Nach einer kleinen Mittagspause besichtigen wir einen nur unweit von Buchara liegenden Familienbetrieb der alten Töpferkunst – und kommen nicht umhin, ein paar handgefertigte Stücke zu kaufen.

In der Stadt angekommen führt uns Svetlana in unser Hotel, das unbestritten das schönste dieser Reise ist. Es ist liebevoll gestaltet, hat großzügige Zimmer und einen wunderschönen Innenhof, in dem wir frühstücken dürfen – und noch dazu wird es ausgesprochen aufmerksam und gastfreundlich geführt.

Nach einer kurzen Pause machen wir, trotz enorm heißer Sonne, einen kleinen Rundgang durch die Altstadt, in der reges Leben und Treiben herrscht. Die über 2300 Jahre alte Wüsten-Oase mit ihren vielen attraktiven Kuppel-Gebäuden ist ausgesprochen beeindruckend für uns.

Der Tourismus hat in dieser Welterbe-geschützten Stadt schon überraschend gut Fuß gefasst. Es gibt sogar eine Live-Bühne, auf der gerade für den Abend geprobt wird, ein künstlich angelegter Teich wird von einem Restaurant umgrenzt und es stehen Händler über Händler mit ihren mehr oder weniger touristischen Waren zwischen dem alten Gemäuer und bieten diese bislang ungewohnt lautstark an.

Ein ganz besonders schönes Messer zieht Pauls Aufmerksamkeit auf sich – er ersteht es mitsamt einer wunderschönen Gravour!

Ein Teppich-Händler erwirkt ebenso unsere Aufmerksamkeit und erheitert uns mit seiner Äußerung, dass er fliegende Teppiche verkauft. Als wir das „fliegend“ nachfragen erklärt er uns, dass wir den Teppich nur kaufen müssen – und schon fliegt er dann mit dem Flugzeug zu uns nach Hause …

Wie schade, dass wir keinen Platz mehr im Koffer hatten …

Am nächsten Morgen begrüßt uns Svetlana mit der Ankündigung, dass es heute 50 Grad werden soll. So fährt uns André mit dem Auto bis zur am weitesten entfernten Sehenswürdigkeit, von der aus wir uns dann an allen anderen entlang zurück zur Altstadt hangeln können. So müssen wir den Weg in dieser Hitze nur einmal laufen. Dankeschön André!

… den Nachmittag verbringen wir mit Klimaanlage im Hotel – und dieser Tatsache verdankt ihr, dass schon von unterwegs aus der erste Bericht seine Empfänger fand. 🙂

Am Abend trafen wir uns alle dann zum essen wieder. Ach ja, da habe ich noch eine nette Geschichte für euch! Beim Einkehren achtete Svetlana immer darauf, dass wir nur warme Sachen essen und trinken, damit bei der Hitze der Körper nicht so belastet wird. Es gibt viel warme Suppe und noch viel mehr grünen Tee. Sie zeigt uns auch das Tee-Zeremoniell, worüber wir uns sehr freuen – und beschreibt tatkräftig und bedeutungsvoll, dass erst etwas Tee aus der Kanne in die Tasse geschenkt wird, dann von der Tasse wieder zurück in die Kanne. Das ganze wird dreimal wiederholt, damit die Teeblätter in der Kanne aufgelockert werden und Sauerstoff in die Kanne kommt – und dann sagt sie ganz trocken hinterher: „aber das ist nur die Version für die Touristen, eigentlich machen wir das, damit die Tassen sauber sind …“ 🙂 Svetlana, Svetlana … 😉

Nun stand noch die Hauptstadt Unsbekistans, Taschkent auf dem Programm. Dorthin mussten wir aufgrund der Entfernung fliegen. Zu unserem Leidwesen wurde dieser Flug um einen Tag verschoben, sodass wir ein echt unangenehmes, stressiges Ende dieser traumhaften Reise hatten. Wir wurden nämlich Samstag auf Sonntag nachts um 4:00h morgens im Hotel abgeholt, flogen nach Taschkent und flogen aber schon am gleichen Tag um 23:30h zurück nach Hause.

Nun, Dinge die nicht zu ändern sind soll man annehmen. Das taten wir und gingen in Taschkent jedenfalls erstmal gemeinsam in einem sehr interessanten Selbstbedienungs-Lokal frühstücken. Was für eine Auswahl!

Dann spürten wir in der Hitze schon die Müdigkeit, die uns übermannte, aber jetzt gings erst richtig los mit Sightseeing in Taschkent!

Hier kommen jetzt Fotos von der jeden Mittag an einem bestimmten Platz stattfindenden Zubereitung des Nationalgerichtes Plov: Fleisch, gelbe (!) Rüben, Gemüse, Reis. In Spezialöfen zubereitet auf offenem Feuer!

Der Besuch des Fernsehturms war gar nicht so unkompliziert: Pässe mussten abgegeben werden, Namen wurden notiert, Rucksäcke eingeschlossen, Körpervisitation …

Der Blick von oben hat sich allerdings gelohnt!

Auch die U-Bahn-Stationen, die wir anschließend nutzten, waren recht interessant gestaltet. Sie erinnerten uns sehr an russische Stationen.

Und schon blieben uns nur noch ein paar Stunden zum Essen und Ausruhen im Hotel bei einem wunderschönem Abschieds-Sonnenuntergang …

… und so ging auch diese Reise zu

                                                       ENDE !

Es war eine unglaublich beeindruckende Reise, die unseren Horizont nicht nur kilometermässig erweitert hat. Die Menschen in Tadschikistan und Usbekistan haben uns in ihrer Einfachheit mit einer solchen Freundlichkeit und Gastfreundschaft empfangen, dass sie unser Interesse an ihnen und an ihrem Leben geweckt haben.

Wir sagen DANKESCHÖN an all unsere Begleiter vor Ort, die mit so viel Engagement, Fröhlichkeit und Hilfsbereitschaft damit beschäftigt waren, uns einen unvergesslichen Aufenthalt zu bescheren und uns mit Recht zu zeigen, dass sich eine Reise in ihr Land lohnt!

Und wir sagen vielen Dank an euch alle, die ihr uns auch dieses Mal so aufmerksam und mit netten Kommentaren und Gästebucheinträgen in unserem Lumulu-Blog begleitet habt! Es hat uns große Freude bereitet!

Eure Weltenbummler

Barbara & Paul

 

 

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Usbekistan I. – Samarkand, Märchen aus 1001 Nacht

Liebe Freunde unseres Blogs,

nun entführen wir euch in die Welt der früheren Seidenstraße, ins traumhaft schöne Samarkand.

Nach einer kurzen Erholungspause in unserem herrlich zentral gelegenen Hotel holt uns Svetlana zu einer ersten Erkundungstour durch die Stadt ab. Was uns schon beim Durchfahren aufgefallen ist, die Frauen hier tragen kaum Kopftücher, tragen ihre wunderschönen schwarzen langen Haare offen und mit Stolz und sind zum Teil europäisch gekleidet. Es ist eine ausgesprochen gepflegte, fast modern wirkende Stadt, wären da nicht diese eindrucksvoll in blau und türkis leuchtenden historischen Gebäude. Zuerst gehen wir gemeinsam eine Kleinigkeit essen und sind total angetan von diesem netten Lokal, in dem ein uns unbekannter und unentdeckter Vogel Geräusche von sich gibt. Wir fragen Svetlana, woher diese Geräusche kommen und sie zeigt uns verhüllte Vogelkäfige. Darin befinden sich Wachteln, die nur singen, wenn sie im Dunkeln sind. Und weil man das so schön findet, hängen sie in verschiedenen Restaurants. Nein, wir haben sie nicht zu essen bekommen …

Hier ein typisches Beispiel für ein gemeinsames Mittagessen mit der Familie. Männer und große Jungs getrennt von Frauen, Mädchen und kleinen Jungs.Wir freuen uns unbändig auf das Erlebnis, zum ersten Mal den berühmten Registan von Samarkand (wörtlich übersetzt: Sandplatz) zu sehen und zu betreten. Er ist das wohl bekannteste Symbol Usbekistans und gehört bereits zum UNESCO Weltkulturerbe.

Hier fand im Mittelalter nicht nur reges Markttreiben und Viehhandel statt, auf diesem Platz wurde auch Gericht gehalten (ja, auch Hinrichtungen vollzogen) und alle wichtigen Erlasse verkündet. Sandplatz war er vor allem wegen der praktikablen Reinigung nach Markttagen und Hinrichtungen: Die obere, verunreinigte Schicht des Sandes wurde anschließend einfach abgetragen …

Der Platz ist eingerahmt von handwerklich aufwändig gestalteten Medresen verschiedener Epochen, das sind, wie wir gelernt haben, islamische, juristisch-theologische Hochschulen. Auch eine Herberge für Pilger wurde integriert. Die Pilger waren sehr wichtige Leute, denn sie verbreiteten die „Stimmung des Volkes“. Die Oberen hörten ihnen genau zu, was sie von ihren Reisen berichten, um zu hören, was so alles erzählt wird.

Darin haben sich viele verschiedene Kunsthandwerker angesiedelt, die uns gerne ihr Handwerk näher gebracht haben:

Um euch ein wenig in die Geschichte dieser märchenhaften Stadt eintauchen zu lassen, hier kurz ein kleiner Exkurs in die damalige Zeit:

Zu Zeiten des berühmten Herrschers Timur (1370-1405) fand man in Samarkand Menschen aus allen Gegenden der Welt. Timur brachte (wie man erzählt, nicht immer freiwillig) Künstler und Handwerker aus allen eroberten Gebieten der Welt in seine Hauptstadt. Es war die Zeit, als keine Leinen-Kleidung mehr getragen wurde, sondern kostbare Stoffe aus Ägypten und China, aus dem Iran, Indien und Russland. Es entstanden prachtvolle Kunstwerke, die neben Einflüssen aus Indien, dem Kaukasus und Syrien vor allem spektakuläre Akzente persischer Architekten zeigten.

Historische und aktuelle männliche Kopfbedeckungen wurden uns näher gebracht.Svetlana opferte sich als – sehr hübsches, wie wir meinen – historisches Model für die Kleidung der Frauen vergangener Zeiten: Timurs Nachfolger, sein Enkel Ulug’bek war in seiner Nachfolge im Baustil weniger üppig, dafür begann mit seiner Herrschaft (1409-1449) nahezu ein Jahrhundert des Wohlstandes und der von Feinden ungestörten kulturellen Blüte Samarkands. Da wir uns ausschließlich mit der Schönheit und Blütezeit Samarkands beschäftigen, sei hier nur kurz erwähnt, dass die Stadt Anfang des 18. Jahrhunderts verödete und schließlich 1868 dem Russischen Reich einverleibt wurde.

Um mich nicht in langen geschichtlichen Erklärungen zu verstricken, möchte ich mich auf die Sehenswürdigkeiten konzentrieren, die Paul mit seiner Begeisterung für die Fotografie eingefangen hat. Sie bedürfen keiner großen Erklärung, sie wirken in ihrer Schönheit. Vor allem bei Sonnenuntergang …

Ebenso faszinierend ist das für sich alleine stehende Mausoleum Gur Emir:

Auch hier waren uns die Menschen sehr wohlgesonnen und wollten gerne mit uns fotografiert werden.

Die Schönheit der Gebäude, vor allem die Farben, faszinierten uns immer wieder.Unglaublich beeindruckend: das Observatorium Ulug’bek.

Extrem fasziniert hat uns die Gräberstadt Shohizinda, mit ihrem Treppenaufgang und in drei Gruppen langgestreckten Mausoleums-Komplex. Sie gilt auch als Pilgerstätte und Svetlana hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass man die Treppen beim hinaufsteigen zählen muss und beim hinabsteigen. Wenn die Zahl übereinstimmt, sind einem alle Sünden vergeben. Bei mir (!)  hat sie übereingestimmt … 😉

Jeder Eingang führt in eine Grabstätte, es sind wohl 16 Gebäude. Im 13. Jahrhundert wurde der Komplex von Dschingis Chan verwüstet, im 14. und 15. Jahrhundert von den Timuriden erneut aufgebaut. Und dieses Türkis-Blau verbindet sich in solch harmonischer Weise mit dem Blau des Himmels.

Die Bibi Xanom Moschee liegt etwas außerhalb und ist auch erst teilrenoviert. Auch das war nach all den perfekten Gebäuden interessant anzuschauen, wie sie vorher ausgesehen haben und welch eine Arbeit darin steckt. Noch dazu nachdem wir gesehen haben, wie schwer die Brenntechnik der Mosaiken ist.

Nach all den historischen Dingen mal wieder etwas aus dem alltäglichen Leben. An einem Mittag schaut Svetlana auf ihr Smartphone und bemerkt so nebenbei, dass das Internet offenbar wieder läuft. Heute morgen habe sie nämlich keinen Empfang gehabt, erzählt sie. Wahrscheinlich sei das so, weil heute Prüfungstage in den Schulen und Universitäten sind und da wird das Internet mal kurz abgeschaltet, damit die Prüflinge nicht in Versuchung geraten … 😉

Mit ein paar Marktfotos verabschieden wir uns für heute und nehmen euch in Kürze (und einem letzten Bericht) mit auf die Seidenstraße.

Eure Weltenbummler

Barbara & Paul

 

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EU-Wasserkraft, die höchste Übernachtung und Abschied von Tadschikistan

Salemaleikum, liebe Blogleser, ein letztes Mal aus Tadschikistan,

wir möchten uns an dieser Stelle für die netten, bewundernden und lustigen Kommentare und Gästebucheinträge bei euch bedanken. Es lohnt sich für alle, mal „reinzulesen“. Vielen Dank dafür, sie machen uns großen Spaß!

Heute machen wir uns nun auf den Weg ins Tavasang-Tal. Dieser Touren-Abschnitt wurde unerwartet zur landschaftlich schönsten Strecke, wenn man das überhaupt so sagen kann, denn schön war alles auf seine eigene Weise. Vielleicht fehlt in den Sommermonaten etwas grün, das ist sicher zu anderen Jahreszeiten intensiver. Aber da wir auch die kargen Landschaften mögen, ist das für uns genau richtig.

Die Strecke führt an den beiden Gletscherflüssen Amshut und Samirai entlang. Mal direkt am Flussbett, dann wieder an den Hängen hoch mit Blick auf die 5000er. Der Weg wird zeitweise sehr schmal, und – wie üblich – steinig. Der tosende Fluss und das vielfache Grün bilden eine wunderschöne Kulisse. Vereinzelt haben sich hier Bauern angesiedelt, die Landwirtschaft betreiben. Es wirkt auf uns wie kleine Oasen.

In der Ebene am Fluss gibt es gar ein ganzjährig bewohntes Dorf, da es an dieser Stelle einerseits wenig Schnee im Winter gibt, wie wir erfahren, und andererseits Strom aus einem Generator mit Wasserkraft. So leben hier ca. 10 Familien und Manucher erklärt uns, dass dies durch ein Projekt der EU und der Welthungerhilfe möglich ist, die es im Jahre 2017 gebaut und die Menschen in die Wartung desselben eingearbeitet haben. Einige Satelliten-Schüsseln auf den Lehmhäusern zeugen auch hier vom Einzug des Fernsehens.

Unseren Weg begleitet der tosende Fluss und wir verstehen manchmal unser eigenes Wort nicht mehr. Ab und zu gilt es, diesen über mehr oder weniger sicher anmutende Brücken zu überqueren, was uns immer wieder, eben mehr oder weniger, Spaß macht. 😉

Bald haben wir ein schönes Plätzchen für die Mittagspause gefunden. Fest davon überzeugt, dass wir nur noch an die 3 Kilometer laufen müssen, sind wir entspannt und genießen die Pause.

Nachdem wir schon wieder eine Weile und mindestens 3 Kilometer unterwegs waren haben wir mal nachgefragt, wie weit es denn noch sei. Nun, es sind ungefähr nochmal 3 Kilometer … Um die Szene abzukürzen: schlussendlich sind es wiederum über 19 Kilometer und unerwartete 1.260 Höhenmeter geworden. Die letzten Meter zum Camp, wo wir schon von den aufgebauten Zelten und unseren unermüdlichen Helfern erwartet wurden, fielen uns sehr schwer.

Der Blick auf den Höhenmesser zeigt uns, dass es nicht nur unerwartet viele Höhenmeter geworden sind, sondern diese Übernachtung auch die unerwartet „höchste“ der Reise sein wird. Nämlich knapp unter 3.000 Metern. Und morgen kommt die letzte große Etappe über den Tavalong-Pass (3.300m) mit einem endlosen Abstieg ins Tal und der letzten Übernachtung in den Zelten.

Am Morgen haben wir alle drei Durchfall. Die Nacht war unruhig, jeder musste mal raus. Manucher hat gute Tabletten, Uli hatten sie auch schon geholfen, somit versuche ich sie auch einfach mal aus. Paul versucht es mutig ohne.

Der Aufstieg auf den Pass ist nach dieser fast durchwachten Nacht und mit dem Durchfall echt anstrengend für uns. Natürlich waren wir froh, als wir oben waren. Geschafft! Der letzte Pass der Trekking-Tour! Wir klatschen uns ab und genießen erst mal den herrlichen Panorama-Blick! Ehrlich gesagt wussten wir da noch nicht, was heute noch an Wegstrecken auf uns zukommt, abgesehen von der Tatsache, dass es über 900 Höhenmeter ins Tal sein werden. Nach einer Weile haben wir das Gefühl, hier liegen noch mehr Steine als bisher und der Pfad wird immer schmaler. Zwei Füße nebeneinander passen gar nicht mehr drauf. Da es meistens neben uns sehr steil runter geht tuen wir gut daran, uns voll auf den Weg zu konzentrieren.

Unterwegs entdecken wir diese Gebilde auf den Lehmhäusern. Abdu erklärt uns, dass darunter der Joghurt aufbewahrt wird. Als wir an einigen Behausungen vorbei kommen und wieder mal nur Frauen und Kinder zu sehen sind erzählt uns Abdu, dass die Männer dieses kleinen Dorfes meistens woanders arbeiten, aber immer einer von ihnen am Abend zurückkommt, um auf sie aufzupassen.

Trotz einer ausgedehnten Mittagspause und herrlichen Aussichten, mittlerweile auf den sogenannten 7. See, den größten von Sieben, fühlen wir uns ziemlich erschöpft.

Vielleicht ist nach den vielen Eindrücken und Anstrengungen auch einfach irgendwie die Luft raus, aber wir sind froh und mit uns sehr zufrieden, als wir gut am Fluss bei unseren Zelten ankommen.

Da es nun gilt, uns von unseren Eseltreibern zu verabschieden, machen wir noch ein Abschiedsfoto – unsere Super-Truppe für acht gemeinsame Tage!!!!

Nach einer letzten Nacht im Zelt und einer kurzen Wanderung vom 7. See zum 6. See erwartet uns dort das Auto, das uns mitsamt Abdurohid, Manucher und natürlich Abdu nach Pendschikent bringt. Da dort viel Gewusel mit Gepäck umladen und einsteigen und losfahren war, haben wir gar kein Foto davon.

Abdu freut sich, als er unseren Fahrer begrüßt und erklärt uns, dass wir mit ihm den besten Fahrer haben, den wir bekommen können – nun, sagen wir mal so, er ist ganz sicher der schnellste Fahrer, vielleicht hat Abdu das in dem schwierigen deutschen Wortschatz einfach verwechselt …

Das Ankommen im Hotel macht fast ein wenig traurig, der Abschied von unserem ‚Sternekoch’ fällt schwer, wir wünschen uns gegenseitig alles Gute. Er geht bereits am nächsten Tag gemeinsam mit Manucher mit einer dreiköpfigen Gruppe aus Russland zur Gipfelstürmung. Manucher bleibt uns mit Abdu heute noch erhalten, aber bald müssen auch wir uns verabschieden.

Ein ganz besonderer Moment ist – wahrscheinlich könnt ihr euch das nicht vorstellen – der erste Blick in den Spiegel. Wir stehen gemeinsam im Bad und staunen über unser Spiegelbild, das uns nach acht Tagen entgegenlächelt. Die Zivilisation hat uns wieder… Ein wenig schwer wird uns ums Herz. Das nächste Gefühl ist aber auch Erleichterung. Wir haben es geschafft, es ist nichts passiert, wir sind gesund und munter. Als wir WLAN einschalten, erfahren wir von einem Terror-Anschlag in Duschanbe auf Touristen. Es kann überall auf der Welt passieren, wir hatten das Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Nämlich im herrlichen Fan-Gebirge Tadschikistans.

Mit Abdu machen wir noch einen Stadtrundgang durch Pendschikent und schauen uns den Markt in der Mahalla, dem dörflichen Viertel der Stadt, an …

… fahren zum Rudaki-Museum an, dort sieht man Keramiken, Waffen und Schmuck aus der alten Stadt …

… gehen auf den Ruinen der ‚alten Stadt’, der sogdischen Ruinenstadt, die als Pompeji Zentralasiens gilt. Sie stammt aus dem 5. und 6. Jahrhundert und wurde im 8. Jahrhundert durch die arabische Eroberung zerstört und verlassen. Leider wurden die Ausgrabungen eingestellt. Wir erfuhren, dass vor kurzem ein kleines Mädchen noch ein wertvolles Fundstück entdeckte und überlegten zu Dritt, ob wir eventuell einen Spaten kaufen und die Kosten der Reise durch Ausgrabungsfunde wieder reinholen sollten …

Am Abend das letzte gemeinsame Abendessen in einem landestypischen Restaurant, Verabschiedung von unserem Bergführer Manucher. Es gab eine ausgesprochen leckere Teigspezialität, deren Namen uns entfallen ist. Vielleicht kennt sie jemand?

Paul kann sich nicht verkneifen, ihm zu sagen, dass er zwar ein hervorragender Bergführer sei, aber leider bei Flussüberquerungen nicht so gut war, da müsse er noch ein wenig trainieren. Gelächter, ein wenig Verlegenheit. Ein Freund Manuchers ruft mir zu: il veut un baiser!! (er möchte einen Abschiedskuss). Na klar! Ein „Baiser“ rechts und links, dann winken und Auf Wiedersehen und von allen ein „Alles gut!“, das uns auf der gesamten Tour begleitet hat, weil Abdu und Manucher das immer wieder zu uns gesagt haben: „alles gut?“, wenn wir schnaufend die Pässe erklommen, „alles gut?“, wenn wir gemeinsam gegessen haben …

Am nächsten Morgen bringt uns Abdu an die tadschikisch-usbekische Grenze, er selbst darf nicht mit rüber. Rucksack aufsetzen, Koffer in die Hand und „Auf Wiedersehen“, vielleicht, irgendwann … und wir laufen los in der heißen Morgensonne, 500m Niemandsland, durch mehrere Passkontrollen mit unerwartet freundlichen Grenzsoldaten. Einer hat uns mit „Guten Tag“ begrüßt, ein anderer hat Pauls Alter angezweifelt und sich amüsiert, wie gut die Deutschen im Alter noch aussehen. Es war unerwartet einfach, obwohl doch diese Grenze erst Anfang des Jahres geöffnet wurde.

So liefen wir langsam und bewusst gemeinsam weiter auf die usbekische Seite zu und waren gespannt, ob die Telefonate Abdus Erfolg hatten, da er noch nicht so recht klären konnte, ob uns zu dieser Zeit in Usbekistan jemand in Empfang nehmen würde.

Kurzum, es klappte perfekt und wir wurden von Svetlana, unserer usbekischen Reiseführerin und André, unserem Fahrer abgeholt.

Die beiden waren, ebenso wie unsere Begleiter in Tadschikistan, ein Glücksgriff für uns, sehr nett und lustig und Svetlana wusste, genau wie Abdu, enorm viel zu erzählen! Aber davon im nächsten Bericht mehr.

Seid herzlich gegrüßt von eueren Weltenbummlern

Barbara & Paul

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