Von Bären, Dörfern und Manuchers Zuhause

Hallo ihr lieben Tadschikistan-Interessierten,

bei einem traumhaften Sonnenaufgang verlassen wir heute unser Camp über den Guytang-Pass, anschließend folgt eine Hochebene mit Wachholdersträuchern.

Nach ein paar Stunden sehen wir schon von weitem vor uns ein paar Alm-Hütten mit mehreren im Sommer dort lebenden Familien – und hoch oben am Hang eine riesige Staubwolke auf uns zukommen. Annähernd 1000 Ziegen rasen von Hunden verfolgt den Steilhang runter, ein beeindruckendes Bild. Später erfuhren wir übrigens, dass es in den Dörfern einen Schäfer für alle Tiere der Bauern gibt. Über Winter nimmt jeder wieder seine eigenen, entsprechend gezeichneten Tiere mit nach Hause.

Kaum kamen wir näher wurden wir angesprochen und von Kindern umringt – und zu einem Joghurt mit Brot und Tee ins Zelt eingeladen. Diesmal sagten unsere Guides zu und so wurden wir fürstlich bewirtet. Brot, Süßigkeiten, Tee – schaut mal, was da alles auf dem „Tisch“ liegt!

Auf einmal versammeln sich nach und nach alle Männer draußen vor dem Zelt und diskutieren. Abdu erzählt uns anschließend, dass der Schäfer am frühen Morgen einen Bär in der nahen Umgebung gesehen hatte und alle etwas aufgeregt waren, weil die sonst nicht so nah herankommen. Aber sie stimmten darin überein, dass die Gefahr für die Tiere von Wölfen sehr viel größer ist. Somit beruhigten sie sich gegenseitig und hielten es für eine wahrscheinlich seltene Ausnahme. Ob deswegen die Ziegen so schnell den Hang hinunter gesaust sind? Wir werden es nie erfahren.

Nun schauen wir uns gerne noch die Jughurtproduktion an und machen ein Foto mit den hübschen Damen des Hauses.

Just in dem Moment, in dem wir wieder aufbrechen wollen, hat uns unsere Eselcrew schon wieder erreicht – und überholt. Der arabisch anmutende Mann ist übrigens Abdurohid, unser Koch, der sich mit dem Tuch immer gegen die sengende Sonne schützt. Deshalb auch die langärmeligen T-Shirts – wegen der unerbittlichen Sonne.

Schon sind wir wieder unterwegs und bald erreichen wir Guytan, man kann die Dächer schon von weitem sehen.

Dorfleben …

In unserem ‚Homestay‘ werden wir von der gesamten Familie mitsamt ihren Kindern überaus freundlich, mit Tee und Süßigkeiten, aber vor allem einer Dusche (der ersten seit 6 Tagen!) begrüßt!

Uli hat sich ganz lange mit den Kindern beschäftigt, sie waren begeistert. Da musste ich natürlich unbedingt noch meinen berühmten Elefanten und den Haifisch mit Brille malen … ich fürchte, sie kannten gar keinen Haifisch. 😉

Manucher, der diese Nacht in einem Nachbardorf im Haus seiner Eltern schlafen möchte, weil dort seine Frau und seine Kinder sind, macht sich schnell auf den Weg, aber nicht ohne uns für den nächsten Vormittag zu sich zum Essen einzuladen, um anschließend gemeinsam mit ihm wieder weiter zu gehen. Wir freuen uns sehr über diese Einladung nach Hause und fragen, wann wir denn dort sein sollen. Wir benötigten ungefähr zweieinhalb Stunden bis dorthin, sagt er, aber er braucht heute nur 45 Minuten, weil er eine Abkürzung nimmt und schnell läuft. Angeber! 🙂

Unsere Zimmer im Homestay sind speziell, sagen wir ungewohnt, es liegen viele Teppiche drin, es gibt einen Einbauschrank und einen Spiegelschrank. Das war’s. So rollen wir unsere Schlafsäcke auf den Teppichen aus und gehen erst mal duschen …

Die Dusche – wer findet den Brausekopf? 😉

Vor dem Abendessen lassen wir uns von dem „kleinen Chef“ des Hauses durchs Dorf führen, es ist ein relativ großes Dorf und somit sehr interessant für uns. Die Menschen sind (ich weiß, ich wiederhole mich!) soooo freundlich und interessiert uns gegenüber, wieder kommen wir uns ganz besonders vor. Und zufällig kommen wir am Haus des Vaters unseres einen Eseltreibers (der übrigens immer mit einem langen Mantel gekleidet ist, was ihm eine natürliche Würde verleiht) vorbei und haben unter anderem ein paar lustige Minuten mit Fotos von der gesamten Familie und kurzen Gesprächen.

Die Nacht verbringen wir ungewöhnlich, aber überraschend gut.

Als wir am Morgen aufstanden sahen wir, dass der Chef des Hauses auf einem Teppich auf der Veranda und Abdu und Abdurohid auf dem hier im Garten vorhandenen, landesüblichen Sitzgestell im Freien übernachtet hatten. Abdu rollt gerade seinen Schlafsack ein …

Die gesamte Familie verabschiedete uns herzlich mit dem Hoffen auf ein baldiges Wiedersehen am Tor des Geländes und winkte uns noch lange nach, als wir die steile Dorfstraße nach oben wanderten, um auf den Weg zur Familie Manuchers zu gelangen. Wir liefen am Fluss entlang durch mehrere kleine Dörfer, in denen wir jedes mal wie Exoten bestaunt wurden und schnell von Menschen umringt waren.

Paul fotografierte die Menschen, aber nicht alle jungen Mädchen wollten ein Foto und so saßen manche einfach nur kichernd über uns Europäer am Dorfbrunnen. Abdu wurde wieder und wieder angesprochen, dass wir herzlich zu einem Tee eingeladen seien. Dennoch zogen wir mit viel Hallo und Gelächter weiter zu Manucher. Auf dem Weg erzählt uns Abdu ein wenig von den kleinen Dörfern in diesem Flusstal, durch die wir zum Teil laufen.

So werden die Aprikosen getrocknet:

Auf jeden Fall hat jedes Dorf seine eigene Schule und eigene Lehrer! In einigen der Schulen wird deutsch unterrichtet. Das Dorfleben jedoch unterscheidet sich von Dorf zu Dorf: die Männer eines dieser Dörfer gehen fast alle als Siedler (damit ist wohl eher Gastarbeiter gemeint) für eine gewisse Zeit nach Russland, auch Abdu war bereits mal 2 Jahre dort, um Geld zu verdienen. Die Männer aus einem anderen Dorf seien fast alle Polizisten und Generäle in Duschanbe. Ihr Dorf, die Frauen und Kinder, sehen tatsächlich viel gepflegter aus, als die anderer Dörfer. Allerdings hat fast jeder dieser Männer eine zweite Frau und, so erzählt Abdu, die Frauen dieses Dorfes hätten sehr viel mehr Streit als anderswo. 😉  Dann gibt es sogar ein Dorf, in dem haben alle Männer nur eine Frau (!) …  Irgendwie hat sich wohl in jedem Dorf eine bestimmte Lebensart entwickelt, völlig unabhängig von den Nachbardörfern, die wohl zu weit entfernt sind. Auch erzählt er fast ungläubig von Männern, die bereits in Deutschland waren und völlig überrascht von der Tatsache erzählten, dass deutsche Frauen mit Kind an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben, obwohl weit und breit kein Auto kommt – und Abdu fragt, ob das tatsächlich stimmt? … usw. usw.. Es wird ein sehr informativer Tag über die Bevölkerung Tadschikistans und das Wissen über uns Deutsche – während wir weiter durch das Flußtal laufen, da wir mal keine steilen Abhänge hoch oder runter gehen und somit Zeit (und Luft) zum Plaudern ist.

Manucher empfing uns schon wartend auf einer Anhöhe des Dorfes Gazarre und zeigte uns das Haus und das Grundstück mit vielen Aprikosenbäumen, wie sie im ganzen Tal als Haupteinnahmequelle zu finden sind – und so lernten wir auch seine Frau und seine Kinder kennen, seine Tochter allerdings ist sofort zur Oma verschwunden.

Der Tisch war schon reichlich gedeckt, unter anderem gab es von den frischen, halbfrischen und getrockneten Aprikosen, und wir hätten nach dem Essen lieber noch ein kleines Schläfchen gemacht, aber unsere Guides mahnen zum Aufbruch.

Aufgrund der veränderten Tagesziele wussten wir noch nicht so recht, was heute auf uns zukommt, rechnen aber mit einer eher lockeren Tour – wir sind gespannt.

Da auf dem Platz, den unsere Guides eigentlich für unsere Zelte geplant hatten, überraschenderweise inzwischen ein Haus stand, mussten unsere Eseltreiber weiter ziehen und einen anderen geeigneten Platz finden. Das verlängerte unsere Tour nun doch wieder auf fast 20km, aber der Platz direkt am Fluss gefiel uns auch sehr gut.

Auf dem folgenden Foto sieht man übrigens auch unsere Toilette sehr gut. Das schmale rote etwas, das da am Rande der Ebene steht. Unsere Eseltreiber schaufeln einfach ein Loch in die Erde und stellen dann das Toiletten-Zelt drauf … beim Weiterziehen wird alles zugeschaufelt und das Zelt wieder abgebaut.

Bei einem Blick ins Küchenzelt beobachten wir, wie Abdurohid eine Auberginenscheibe nach der anderen brät. Was es wohl Feines zum Essen gibt? Ich kann es schon verraten: gerollte Auberginenscheiben mit Tomatenfüllung, dazu Mais und Gurken. Lecker!

Und im nächsten Bericht geht es weiter ins wunderschöne Tavasang-Tal …

Bis dahin grüßen euch herzlich eure Weltenbummler

Barbara & Paul

 

 

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Kalikalon und eine Flasche Joghurt

Hallo liebe Freunde,

am Abend stehe ich hinter unserem Zelt am Bibiykone-See, putze mir die Zähne und schaue auf die Gipfel der 4000 und 5000er um uns herum (Adamtash, Mirali, Rudaki, Mariya etc.), der Blick schweift auf den von der Restsonne angestrahlten Himmel und den spiegelglatten See, in dem ich mir vor ein paar Minuten noch den Staub der kahlen und steinigen Berge abgewaschen habe. Ein paar unserer Esel stehen ein wenig entfernt von mir und erholen sich wie wir vom Tag. Es ist eine unglaubliche Stille. Und Einsamkeit. Und genau in diesem Moment weiß ich, warum ich solche Reisen mit all ihren Strapazen mache …

Heute geht’s weiter auf unserer Trekkingtour durchs Kulikalon-Tal, wo wir inmitten von etwas mehr Grün weiterhin umringt von den gigantischen 5000ern sind.

Ich dachte mir, heute könnte ich euch mal unsere Begleit-Crew genauer vorstellen. Sicher lernt ihr sie gerne etwas näher kennen:

Manucher, unser Bergführer

Isatullo, unser Eseltreiber

Abdurohid, unser Meisterkoch

Foteh, unser zweiter EseltreiberAbdu, unser Guide und Übersetzer, er ist unser „Mädchen für alles“

Unsere positive Einstellung nehmen wir ab jetzt aus Abdu’s tadschikischem Sprichwort, das er uns genauso gerne erzählt wie einen Witz von Frau Merkel, den ich mir an dieser Stelle aber spare. Das eigentlich erstaunliche daran ist, dass es in Tadschikistan überhaupt einen Witz über Angela Merkel gibt!

Nun zu Abdus Sprichwort: „Anfang gut, alles gut.“ Nun, der Anfang war gut, dann ist ja alles in Ordnung. Irgendwie kommt uns das Sprichwort doch irgendwie bekannt vor …?

Heute führt uns Manucher entlang der wunderschönen Seenlandschaft des Kulikalon-Tales mit seinen 14 Seen, die sich uns, natürlich nicht alle, aber einige, in ihren strahlenden Farben von hellblau bis aquamarin und dunkelgrün präsentieren. Wir genießen dieses breite, grüne Tal mit den saftig grünen Bäumen.

Wir überqueren mehr oder weniger reißende Gebirgsbäche (Manucher testet immer erst die Steine, über die wir springen müssen auf ihre Tragfähigkeit – leider nicht immer mit Erfolg … beaucoups des salutations à toi, Manucher ;-)…).

Überraschenderweise entdecken wir an einem der Bäume ein selbst geschriebenes Schild „Edic-Shop and Hotel“ – na, da sind wir gespannt und folgen dem Pfeil. Tatsächlich. Eine Familie hat mit einfachsten Mitteln einen Einkaufsladen und ein Hotel eingerichtet, hoffend auf viele Touristen in diesem Tal. Wir drücken die Daumen, viel Erfolg!

Hier: Küche, Hotel, Lage, Shop

Nach „läppischen“ 300 Höhenmetern Aufstieg zum Chukurak-Pass folgen sich ellenlang ziehende 800 Höhenmeter Abstieg zum gleichnamigen See.

Als wir von einem Plateau aus unsere Zelte tief unter uns bereits entdecken können, kommen ein paar Kinder auf uns zugelaufen, die zu einer Art Alm gehören, wie man sie im Fan-Gebirge öfters findet, wie uns Abdu erklärt. Die Familien leben über die Sommermonate mit ihren Tieren, meist Schafe und Ziegen, aber auch Kühe, im Gebirge und produzieren Käse und Joghurt. Fragt nicht, wie sie das mit der Hitze hinbekommen, wir haben es nicht verstanden. Jedenfalls klappt das prima und der frische Joghurt wird uns noch des Öfteren gerne angeboten. Und, inzwischen haben wir ihn mehrfach probiert, er schmeckt noch viel besser als der fertig gegorene, bzw. fermentierte Joghurt. Auch von den hier lebenden Bergbauern werden wir zu Joghurt und Brot eingeladen, aber da unser Tee ein paar hundert Meter „unter uns“ bereits wartet, müssen wir die Einladung leider ablehnen. Den Kindern schenken wir noch ein paar Gummibärchen und Luftballons und machen uns auf das letzte Stück des Weges.

Den See, dessen Wasser uns diesmal nicht ganz so eiskalt erscheint (vielleicht auch nur, weil wir einheimische junge Männer drin schwimmen sehen?), nutzen wir sehr gerne um uns kurz abzukühlen und den Staub mal wieder am ganzen Körper loszuwerden. Wir ziehen unsere Badesachen an und springen kurz hinein.

Da kommen die Kinder der Alm auf einem Esel und mit vielen Plastikflaschen, um an einer Quelle Wasser zu holen. Wir machen gemeinsam Blödsinn, Paul fotografiert was das Zeug hält und zeigt ihnen die Fotos, was ihnen sehr viel Spaß macht. Der Junge hilft seiner Schwester nicht, er bleibt auf seinem Esel sitzen, er ist ja nur für den Transport zuständig in der rigorosen Männergesellschaft dieser Länder. Sie jedoch, ein apartes Mädchen, füllt mühsam Flasche für Flasche an der Quelle. Wir geben ihr noch ein paar bunte Haarklämmerchen und die Jungs bekommen einen Kugelschreiber.

Wir hatten noch ein wenig aufzuräumen, ein paar T-Shirts im See zu waschen und dann ruhten wir im Zelt aus. Plötzlich kommen die Kinder noch einmal zu uns, hocken sich vor unseren Zelteingang und lächeln uns freundlich an. Das Mädchen überreicht uns eine Riesen-Flasche frischen Joghurt. Es war ein so unvergesslich rührender Moment – dieses extra noch einmal zu uns runter an den See zu kommen, um uns auch etwas zu schenken – dass wir ihn sicher nie mehr vergessen werden. Den Joghurt, den wir gleich unserem Küchenchef brachten, hat Abdurohid nicht nur pur zum Abendessen angeboten, sondern gleich noch als Vorspeise verarbeitet mit geschnipseltem Brot, Gurken, Tomaten, Mais und Zwiebeln. Einfach genial, unser Sternekoch!

Und wieder endet ein Tag voller einmaliger Eindrücke, Landschaften und Begegnungen. Apropos, sobald uns jemand auf dem Weg begegnet, bleiben unsere Guides stehen und wechseln ein paar Worte. Immer werden wir gefragt, woher wir kommen – und als Deutsche sind wir offensichtlich mehr als willkommen. Die Menschen freuen sich, dass wir uns für sie und ihr Land interessieren und ganz viele sagen entweder sofort ‚Germania’, ‚Angela Merkel‘ oder ‚Toni Kross‘ oder andere Fußballer-Namen. Wahrscheinlich ist auch jeder froh, ein paar Worte wechseln zu können, weil so wenig Menschen dort leben. Und die wenigen Touristen, die unseren Weg kreuzen fragen sowieso immer gleich, woher wir kommen, wohin wir gehen, wie lange wir unterwegs sind und, und, und. Manche erzählen auch sofort von sich, wie ein Pärchen, das wir im Kulikalon-Tal trafen. Dass sie in England leben, immer ein Jahr mit Gelegenheitsarbeiten möglichst viel Geld verdienen, sparen und dann wieder ein Jahr reisen. Wir wünschten uns gegenseitig „good luck and a good hike“ und gingen unserer Wege.

So viele neue Eindrücke, tolle Begegnungen und traumhaft schöne Landschaften, wir haben das Gefühl, schon vier Wochen unterwegs zu sein.

Es grüßen euch herzlich eure Weltenbummler

Barbara & Paul

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Die Menschen Tadschikistans – und die vielen, vielen Höhenmeter

Hallo ihr Lieben,

wie schön, dass ihr fast alle wieder dabei seid!!

Ich muss nämlich unbedingt noch ein paar Worte über die Menschen verlieren. Egal wo auch immer wir auftauchen, wir werden mit einem Lächeln empfangen, gefragt woher wir kommen und, gerade als Deutsche, willkommen geheißen. Sogar an der Straße Duschanbes stehende Polizisten grinsen uns entgegen und sagen diese netten beiden Worte, die wir so oft hier noch hören werden: ‚Welcome to Tadschikistan!‘  Nie werden wir bedrängt, nur mit höflicher Distanz betrachtet, angelächelt und, ja, wir werden um ein gemeinsames Foto gebeten. Zum ersten Mal fragt nicht Paul, ob er fotografieren darf, na gut, das macht er natürlich auch, aber immer kommt zurück, ob sie auch mit uns ein Foto bekommen. Die jüngere Generation bittet um Selfies – wir kommen uns wie berühmte Persönlichkeiten vor. Es ist jedenfalls immer sehr lustig und nett, ja, direkt berührend.Und, wie wir ja inzwischen wissen, wird uns diese Gastfreundschaft selbst bis in die höchsten Berge und ins kleinste Dorf hinter dem letzten Hügel begleiten …

Am nächsten Morgen machen wir uns bereit zur ersten Tour. Wir fühlen uns fit und sind gespannt, wie wir den ersten Tag erleben werden. Ein wunderschöner Weg am See entlang und durch ein kleines Wäldchen veränderte sich mit zunehmender Höhe in ein steiniges Etwas. Wir überwanden Geröllfeld um Geröllfeld und immer wenn wir dachten, dahinter muss doch jetzt der See kommen, kam – der nächste Hügel.

Endlich war es geschafft und die Mühen waren beim Anblick des Sees vor dem Gletscher und diesen interessanten Bergformationen vergessen. Es handelt sich zwar tatsächlich um einen richtig trüben See, aber dennoch genossen wir den Ausblick auf ihn mit seinem fast ans Ufer reichenden Gletscher sehr.

Abdu und Manucher zauberten nun erstmal aus ihren Rucksäcken ein köstliches Picknick, sodass wir wieder zu Kräften kamen. Sie hatten Brot, Nudeln, Tomaten, Gurken, Wurst, Käse und Sardinen samt Cola mit hoch getragen. Sogar eine Tischdecke und Ketchup findet sich noch im Rucksack.

Der Abstieg war kaum weniger anstrengend, jeder, der schon mal steil ein Geröllfeld gelaufen ist weiß wovon wir sprechen.

Dennoch genossen wir den Rückweg mit seinem Ausblick auf den Alaudin-See, an dem unsere Zelte noch vom Vortag stehen, sehr! Zwischendurch konnten wir unsere Wasservorräte an einer Quelle auffüllen und erreichten das Zeltlager schon am späten Nachmittag wieder.

Ein heißer Tee von unserem Koch Abdurohid, eine Wassermelone und Kekse erwarteten uns bereits und brachten verlorene Energie zurück.

Vor dem Abendessen legten wir uns noch ein wenig hin, wir waren doch ein wenig erschöpft und wollten wegen des morgigen großen Aufstiegs mit 1000 Höhenmetern auf den mit 3860m höchsten Pass dieser Tour mit unseren Kräften ein wenig haushalten. Das Abendessen stärkte uns wieder.

Am nächsten Morgen sammeln wir uns um Manucher, unseren Bergführer, der, genau wie am Tag vorher, den Aufstieg zum Alaudin-Pass mit gleichmäßig langsamen, kleinen Schritten anführt. Ein angenehmes Tempo. Der Unterschied zum Vortag ist der, dass heute das Ziel bereits vor Augen liegt (was es nicht einfacher macht), da der Weg direkt hinter unseren Zelten gefühlt geradewegs steil nach oben führt. Unsere kleine Karawane schlängelt sich hintereinander den Berg hoch, Schritt für Schritt kämpfen wir uns höher.

Die Luft wurde immer knapper und so schnaufen wir ganz schön, machen immer wieder kurze Pausen. Die letzten 100m fallen mir persönlich ziemlich schwer, weil ich die dünne Luft auf den Bronchien spüre. Ich muss öfters mal stehen bleiben, um wieder Kräfte und Sauerstoff zu sammeln. Wie gut, dass gerade eine Eselkarawane kommt, die wir vorbei lassen müssen.

Endlich ist es geschafft. Auf dem Pass klatscht uns Manucher lachend ab und wir freuen uns gemeinsam über dieses erreichte Etappenziel.

Natürlich halten wir uns für eine kleine Weile an diesem besonderen Ort auf, Manucher erklärt uns die Namen der umliegenden Fünftausender und erzählt uns, dass er alle Gipfel schon bestiegen hat. Wie toll, dass wir einen solch ortskundigen und erfahrenen Mann bei uns haben. Da er zwar kein Deutsch, dafür aber französisch spricht, kann er sich auch ohne den Guide und Übersetzer Abdu immer mal wieder mit mir unterhalten. So sind wir samt Uli, der unsere Gruppe ja erst möglich gemacht hat, eine wirklich intensive kleine Gruppe und die Chemie zwischen uns allen stimmt perfekt.

Abdu ist übrigens im Winter Deutschlehrer, Manucher Geschichtslehrer und unser Koch Taxifahrer. Jeder hat hier mehrere Jobs, je nach Wetter. Nur die Eseltreiber ruhen im Winter lieber zu Hause in ihrem Dorf aus.

Von der anderen Seite des Berges sehen wir übrigens den Tschapdara-Berg mit 5137m Höhe, einfach gewaltig, noch dazu mit seinem riesigen Schneefeld!

Der Abstieg zum Dushoha-See zieht sich ganz schön, ist aber wunderschön! Wir machen zwischendurch unsere Mittagspause, zu der unsere Esel mit unserem Gepäck an uns vorbei ziehen. Sie gehen schon mal vor, um die Zelte und einen Tee für uns vorzubereiten.

Endlich ist unser Zeltlager in Sicht …

Geschafft! Heißer Tee und Ausruhen ist angesagt! Am Abend gab’s noch Lagerfeuer …

Soweit erstmal von uns, genießt Pauls tolle Fotos und taucht mit uns weiter in eine unglaubliche Reise ein. Wir freuen uns!

Eure Weltenbummler Barbara & Paul

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