EU-Wasserkraft, die höchste Übernachtung und Abschied von Tadschikistan

Salemaleikum, liebe Blogleser, ein letztes Mal aus Tadschikistan,

wir möchten uns an dieser Stelle für die netten, bewundernden und lustigen Kommentare und Gästebucheinträge bei euch bedanken. Es lohnt sich für alle, mal „reinzulesen“. Vielen Dank dafür, sie machen uns großen Spaß!

Heute machen wir uns nun auf den Weg ins Tavasang-Tal. Dieser Touren-Abschnitt wurde unerwartet zur landschaftlich schönsten Strecke, wenn man das überhaupt so sagen kann, denn schön war alles auf seine eigene Weise. Vielleicht fehlt in den Sommermonaten etwas grün, das ist sicher zu anderen Jahreszeiten intensiver. Aber da wir auch die kargen Landschaften mögen, ist das für uns genau richtig.

Die Strecke führt an den beiden Gletscherflüssen Amshut und Samirai entlang. Mal direkt am Flussbett, dann wieder an den Hängen hoch mit Blick auf die 5000er. Der Weg wird zeitweise sehr schmal, und – wie üblich – steinig. Der tosende Fluss und das vielfache Grün bilden eine wunderschöne Kulisse. Vereinzelt haben sich hier Bauern angesiedelt, die Landwirtschaft betreiben. Es wirkt auf uns wie kleine Oasen.

In der Ebene am Fluss gibt es gar ein ganzjährig bewohntes Dorf, da es an dieser Stelle einerseits wenig Schnee im Winter gibt, wie wir erfahren, und andererseits Strom aus einem Generator mit Wasserkraft. So leben hier ca. 10 Familien und Manucher erklärt uns, dass dies durch ein Projekt der EU und der Welthungerhilfe möglich ist, die es im Jahre 2017 gebaut und die Menschen in die Wartung desselben eingearbeitet haben. Einige Satelliten-Schüsseln auf den Lehmhäusern zeugen auch hier vom Einzug des Fernsehens.

Unseren Weg begleitet der tosende Fluss und wir verstehen manchmal unser eigenes Wort nicht mehr. Ab und zu gilt es, diesen über mehr oder weniger sicher anmutende Brücken zu überqueren, was uns immer wieder, eben mehr oder weniger, Spaß macht. 😉

Bald haben wir ein schönes Plätzchen für die Mittagspause gefunden. Fest davon überzeugt, dass wir nur noch an die 3 Kilometer laufen müssen, sind wir entspannt und genießen die Pause.

Nachdem wir schon wieder eine Weile und mindestens 3 Kilometer unterwegs waren haben wir mal nachgefragt, wie weit es denn noch sei. Nun, es sind ungefähr nochmal 3 Kilometer … Um die Szene abzukürzen: schlussendlich sind es wiederum über 19 Kilometer und unerwartete 1.260 Höhenmeter geworden. Die letzten Meter zum Camp, wo wir schon von den aufgebauten Zelten und unseren unermüdlichen Helfern erwartet wurden, fielen uns sehr schwer.

Der Blick auf den Höhenmesser zeigt uns, dass es nicht nur unerwartet viele Höhenmeter geworden sind, sondern diese Übernachtung auch die unerwartet „höchste“ der Reise sein wird. Nämlich knapp unter 3.000 Metern. Und morgen kommt die letzte große Etappe über den Tavalong-Pass (3.300m) mit einem endlosen Abstieg ins Tal und der letzten Übernachtung in den Zelten.

Am Morgen haben wir alle drei Durchfall. Die Nacht war unruhig, jeder musste mal raus. Manucher hat gute Tabletten, Uli hatten sie auch schon geholfen, somit versuche ich sie auch einfach mal aus. Paul versucht es mutig ohne.

Der Aufstieg auf den Pass ist nach dieser fast durchwachten Nacht und mit dem Durchfall echt anstrengend für uns. Natürlich waren wir froh, als wir oben waren. Geschafft! Der letzte Pass der Trekking-Tour! Wir klatschen uns ab und genießen erst mal den herrlichen Panorama-Blick! Ehrlich gesagt wussten wir da noch nicht, was heute noch an Wegstrecken auf uns zukommt, abgesehen von der Tatsache, dass es über 900 Höhenmeter ins Tal sein werden. Nach einer Weile haben wir das Gefühl, hier liegen noch mehr Steine als bisher und der Pfad wird immer schmaler. Zwei Füße nebeneinander passen gar nicht mehr drauf. Da es meistens neben uns sehr steil runter geht tuen wir gut daran, uns voll auf den Weg zu konzentrieren.

Unterwegs entdecken wir diese Gebilde auf den Lehmhäusern. Abdu erklärt uns, dass darunter der Joghurt aufbewahrt wird. Als wir an einigen Behausungen vorbei kommen und wieder mal nur Frauen und Kinder zu sehen sind erzählt uns Abdu, dass die Männer dieses kleinen Dorfes meistens woanders arbeiten, aber immer einer von ihnen am Abend zurückkommt, um auf sie aufzupassen.

Trotz einer ausgedehnten Mittagspause und herrlichen Aussichten, mittlerweile auf den sogenannten 7. See, den größten von Sieben, fühlen wir uns ziemlich erschöpft.

Vielleicht ist nach den vielen Eindrücken und Anstrengungen auch einfach irgendwie die Luft raus, aber wir sind froh und mit uns sehr zufrieden, als wir gut am Fluss bei unseren Zelten ankommen.

Da es nun gilt, uns von unseren Eseltreibern zu verabschieden, machen wir noch ein Abschiedsfoto – unsere Super-Truppe für acht gemeinsame Tage!!!!

Nach einer letzten Nacht im Zelt und einer kurzen Wanderung vom 7. See zum 6. See erwartet uns dort das Auto, das uns mitsamt Abdurohid, Manucher und natürlich Abdu nach Pendschikent bringt. Da dort viel Gewusel mit Gepäck umladen und einsteigen und losfahren war, haben wir gar kein Foto davon.

Abdu freut sich, als er unseren Fahrer begrüßt und erklärt uns, dass wir mit ihm den besten Fahrer haben, den wir bekommen können – nun, sagen wir mal so, er ist ganz sicher der schnellste Fahrer, vielleicht hat Abdu das in dem schwierigen deutschen Wortschatz einfach verwechselt …

Das Ankommen im Hotel macht fast ein wenig traurig, der Abschied von unserem ‚Sternekoch’ fällt schwer, wir wünschen uns gegenseitig alles Gute. Er geht bereits am nächsten Tag gemeinsam mit Manucher mit einer dreiköpfigen Gruppe aus Russland zur Gipfelstürmung. Manucher bleibt uns mit Abdu heute noch erhalten, aber bald müssen auch wir uns verabschieden.

Ein ganz besonderer Moment ist – wahrscheinlich könnt ihr euch das nicht vorstellen – der erste Blick in den Spiegel. Wir stehen gemeinsam im Bad und staunen über unser Spiegelbild, das uns nach acht Tagen entgegenlächelt. Die Zivilisation hat uns wieder… Ein wenig schwer wird uns ums Herz. Das nächste Gefühl ist aber auch Erleichterung. Wir haben es geschafft, es ist nichts passiert, wir sind gesund und munter. Als wir WLAN einschalten, erfahren wir von einem Terror-Anschlag in Duschanbe auf Touristen. Es kann überall auf der Welt passieren, wir hatten das Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Nämlich im herrlichen Fan-Gebirge Tadschikistans.

Mit Abdu machen wir noch einen Stadtrundgang durch Pendschikent und schauen uns den Markt in der Mahalla, dem dörflichen Viertel der Stadt, an …

… fahren zum Rudaki-Museum an, dort sieht man Keramiken, Waffen und Schmuck aus der alten Stadt …

… gehen auf den Ruinen der ‚alten Stadt’, der sogdischen Ruinenstadt, die als Pompeji Zentralasiens gilt. Sie stammt aus dem 5. und 6. Jahrhundert und wurde im 8. Jahrhundert durch die arabische Eroberung zerstört und verlassen. Leider wurden die Ausgrabungen eingestellt. Wir erfuhren, dass vor kurzem ein kleines Mädchen noch ein wertvolles Fundstück entdeckte und überlegten zu Dritt, ob wir eventuell einen Spaten kaufen und die Kosten der Reise durch Ausgrabungsfunde wieder reinholen sollten …

Am Abend das letzte gemeinsame Abendessen in einem landestypischen Restaurant, Verabschiedung von unserem Bergführer Manucher. Es gab eine ausgesprochen leckere Teigspezialität, deren Namen uns entfallen ist. Vielleicht kennt sie jemand?

Paul kann sich nicht verkneifen, ihm zu sagen, dass er zwar ein hervorragender Bergführer sei, aber leider bei Flussüberquerungen nicht so gut war, da müsse er noch ein wenig trainieren. Gelächter, ein wenig Verlegenheit. Ein Freund Manuchers ruft mir zu: il veut un baiser!! (er möchte einen Abschiedskuss). Na klar! Ein „Baiser“ rechts und links, dann winken und Auf Wiedersehen und von allen ein „Alles gut!“, das uns auf der gesamten Tour begleitet hat, weil Abdu und Manucher das immer wieder zu uns gesagt haben: „alles gut?“, wenn wir schnaufend die Pässe erklommen, „alles gut?“, wenn wir gemeinsam gegessen haben …

Am nächsten Morgen bringt uns Abdu an die tadschikisch-usbekische Grenze, er selbst darf nicht mit rüber. Rucksack aufsetzen, Koffer in die Hand und „Auf Wiedersehen“, vielleicht, irgendwann … und wir laufen los in der heißen Morgensonne, 500m Niemandsland, durch mehrere Passkontrollen mit unerwartet freundlichen Grenzsoldaten. Einer hat uns mit „Guten Tag“ begrüßt, ein anderer hat Pauls Alter angezweifelt und sich amüsiert, wie gut die Deutschen im Alter noch aussehen. Es war unerwartet einfach, obwohl doch diese Grenze erst Anfang des Jahres geöffnet wurde.

So liefen wir langsam und bewusst gemeinsam weiter auf die usbekische Seite zu und waren gespannt, ob die Telefonate Abdus Erfolg hatten, da er noch nicht so recht klären konnte, ob uns zu dieser Zeit in Usbekistan jemand in Empfang nehmen würde.

Kurzum, es klappte perfekt und wir wurden von Svetlana, unserer usbekischen Reiseführerin und André, unserem Fahrer abgeholt.

Die beiden waren, ebenso wie unsere Begleiter in Tadschikistan, ein Glücksgriff für uns, sehr nett und lustig und Svetlana wusste, genau wie Abdu, enorm viel zu erzählen! Aber davon im nächsten Bericht mehr.

Seid herzlich gegrüßt von eueren Weltenbummlern

Barbara & Paul

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Von Bären, Dörfern und Manuchers Zuhause

Hallo ihr lieben Tadschikistan-Interessierten,

bei einem traumhaften Sonnenaufgang verlassen wir heute unser Camp über den Guytang-Pass, anschließend folgt eine Hochebene mit Wachholdersträuchern.

Nach ein paar Stunden sehen wir schon von weitem vor uns ein paar Alm-Hütten mit mehreren im Sommer dort lebenden Familien – und hoch oben am Hang eine riesige Staubwolke auf uns zukommen. Annähernd 1000 Ziegen rasen von Hunden verfolgt den Steilhang runter, ein beeindruckendes Bild. Später erfuhren wir übrigens, dass es in den Dörfern einen Schäfer für alle Tiere der Bauern gibt. Über Winter nimmt jeder wieder seine eigenen, entsprechend gezeichneten Tiere mit nach Hause.

Kaum kamen wir näher wurden wir angesprochen und von Kindern umringt – und zu einem Joghurt mit Brot und Tee ins Zelt eingeladen. Diesmal sagten unsere Guides zu und so wurden wir fürstlich bewirtet. Brot, Süßigkeiten, Tee – schaut mal, was da alles auf dem „Tisch“ liegt!

Auf einmal versammeln sich nach und nach alle Männer draußen vor dem Zelt und diskutieren. Abdu erzählt uns anschließend, dass der Schäfer am frühen Morgen einen Bär in der nahen Umgebung gesehen hatte und alle etwas aufgeregt waren, weil die sonst nicht so nah herankommen. Aber sie stimmten darin überein, dass die Gefahr für die Tiere von Wölfen sehr viel größer ist. Somit beruhigten sie sich gegenseitig und hielten es für eine wahrscheinlich seltene Ausnahme. Ob deswegen die Ziegen so schnell den Hang hinunter gesaust sind? Wir werden es nie erfahren.

Nun schauen wir uns gerne noch die Jughurtproduktion an und machen ein Foto mit den hübschen Damen des Hauses.

Just in dem Moment, in dem wir wieder aufbrechen wollen, hat uns unsere Eselcrew schon wieder erreicht – und überholt. Der arabisch anmutende Mann ist übrigens Abdurohid, unser Koch, der sich mit dem Tuch immer gegen die sengende Sonne schützt. Deshalb auch die langärmeligen T-Shirts – wegen der unerbittlichen Sonne.

Schon sind wir wieder unterwegs und bald erreichen wir Guytan, man kann die Dächer schon von weitem sehen.

Dorfleben …

In unserem ‚Homestay‘ werden wir von der gesamten Familie mitsamt ihren Kindern überaus freundlich, mit Tee und Süßigkeiten, aber vor allem einer Dusche (der ersten seit 6 Tagen!) begrüßt!

Uli hat sich ganz lange mit den Kindern beschäftigt, sie waren begeistert. Da musste ich natürlich unbedingt noch meinen berühmten Elefanten und den Haifisch mit Brille malen … ich fürchte, sie kannten gar keinen Haifisch. 😉

Manucher, der diese Nacht in einem Nachbardorf im Haus seiner Eltern schlafen möchte, weil dort seine Frau und seine Kinder sind, macht sich schnell auf den Weg, aber nicht ohne uns für den nächsten Vormittag zu sich zum Essen einzuladen, um anschließend gemeinsam mit ihm wieder weiter zu gehen. Wir freuen uns sehr über diese Einladung nach Hause und fragen, wann wir denn dort sein sollen. Wir benötigten ungefähr zweieinhalb Stunden bis dorthin, sagt er, aber er braucht heute nur 45 Minuten, weil er eine Abkürzung nimmt und schnell läuft. Angeber! 🙂

Unsere Zimmer im Homestay sind speziell, sagen wir ungewohnt, es liegen viele Teppiche drin, es gibt einen Einbauschrank und einen Spiegelschrank. Das war’s. So rollen wir unsere Schlafsäcke auf den Teppichen aus und gehen erst mal duschen …

Die Dusche – wer findet den Brausekopf? 😉

Vor dem Abendessen lassen wir uns von dem „kleinen Chef“ des Hauses durchs Dorf führen, es ist ein relativ großes Dorf und somit sehr interessant für uns. Die Menschen sind (ich weiß, ich wiederhole mich!) soooo freundlich und interessiert uns gegenüber, wieder kommen wir uns ganz besonders vor. Und zufällig kommen wir am Haus des Vaters unseres einen Eseltreibers (der übrigens immer mit einem langen Mantel gekleidet ist, was ihm eine natürliche Würde verleiht) vorbei und haben unter anderem ein paar lustige Minuten mit Fotos von der gesamten Familie und kurzen Gesprächen.

Die Nacht verbringen wir ungewöhnlich, aber überraschend gut.

Als wir am Morgen aufstanden sahen wir, dass der Chef des Hauses auf einem Teppich auf der Veranda und Abdu und Abdurohid auf dem hier im Garten vorhandenen, landesüblichen Sitzgestell im Freien übernachtet hatten. Abdu rollt gerade seinen Schlafsack ein …

Die gesamte Familie verabschiedete uns herzlich mit dem Hoffen auf ein baldiges Wiedersehen am Tor des Geländes und winkte uns noch lange nach, als wir die steile Dorfstraße nach oben wanderten, um auf den Weg zur Familie Manuchers zu gelangen. Wir liefen am Fluss entlang durch mehrere kleine Dörfer, in denen wir jedes mal wie Exoten bestaunt wurden und schnell von Menschen umringt waren.

Paul fotografierte die Menschen, aber nicht alle jungen Mädchen wollten ein Foto und so saßen manche einfach nur kichernd über uns Europäer am Dorfbrunnen. Abdu wurde wieder und wieder angesprochen, dass wir herzlich zu einem Tee eingeladen seien. Dennoch zogen wir mit viel Hallo und Gelächter weiter zu Manucher. Auf dem Weg erzählt uns Abdu ein wenig von den kleinen Dörfern in diesem Flusstal, durch die wir zum Teil laufen.

So werden die Aprikosen getrocknet:

Auf jeden Fall hat jedes Dorf seine eigene Schule und eigene Lehrer! In einigen der Schulen wird deutsch unterrichtet. Das Dorfleben jedoch unterscheidet sich von Dorf zu Dorf: die Männer eines dieser Dörfer gehen fast alle als Siedler (damit ist wohl eher Gastarbeiter gemeint) für eine gewisse Zeit nach Russland, auch Abdu war bereits mal 2 Jahre dort, um Geld zu verdienen. Die Männer aus einem anderen Dorf seien fast alle Polizisten und Generäle in Duschanbe. Ihr Dorf, die Frauen und Kinder, sehen tatsächlich viel gepflegter aus, als die anderer Dörfer. Allerdings hat fast jeder dieser Männer eine zweite Frau und, so erzählt Abdu, die Frauen dieses Dorfes hätten sehr viel mehr Streit als anderswo. 😉  Dann gibt es sogar ein Dorf, in dem haben alle Männer nur eine Frau (!) …  Irgendwie hat sich wohl in jedem Dorf eine bestimmte Lebensart entwickelt, völlig unabhängig von den Nachbardörfern, die wohl zu weit entfernt sind. Auch erzählt er fast ungläubig von Männern, die bereits in Deutschland waren und völlig überrascht von der Tatsache erzählten, dass deutsche Frauen mit Kind an einer roten Fußgängerampel stehen bleiben, obwohl weit und breit kein Auto kommt – und Abdu fragt, ob das tatsächlich stimmt? … usw. usw.. Es wird ein sehr informativer Tag über die Bevölkerung Tadschikistans und das Wissen über uns Deutsche – während wir weiter durch das Flußtal laufen, da wir mal keine steilen Abhänge hoch oder runter gehen und somit Zeit (und Luft) zum Plaudern ist.

Manucher empfing uns schon wartend auf einer Anhöhe des Dorfes Gazarre und zeigte uns das Haus und das Grundstück mit vielen Aprikosenbäumen, wie sie im ganzen Tal als Haupteinnahmequelle zu finden sind – und so lernten wir auch seine Frau und seine Kinder kennen, seine Tochter allerdings ist sofort zur Oma verschwunden.

Der Tisch war schon reichlich gedeckt, unter anderem gab es von den frischen, halbfrischen und getrockneten Aprikosen, und wir hätten nach dem Essen lieber noch ein kleines Schläfchen gemacht, aber unsere Guides mahnen zum Aufbruch.

Aufgrund der veränderten Tagesziele wussten wir noch nicht so recht, was heute auf uns zukommt, rechnen aber mit einer eher lockeren Tour – wir sind gespannt.

Da auf dem Platz, den unsere Guides eigentlich für unsere Zelte geplant hatten, überraschenderweise inzwischen ein Haus stand, mussten unsere Eseltreiber weiter ziehen und einen anderen geeigneten Platz finden. Das verlängerte unsere Tour nun doch wieder auf fast 20km, aber der Platz direkt am Fluss gefiel uns auch sehr gut.

Auf dem folgenden Foto sieht man übrigens auch unsere Toilette sehr gut. Das schmale rote etwas, das da am Rande der Ebene steht. Unsere Eseltreiber schaufeln einfach ein Loch in die Erde und stellen dann das Toiletten-Zelt drauf … beim Weiterziehen wird alles zugeschaufelt und das Zelt wieder abgebaut.

Bei einem Blick ins Küchenzelt beobachten wir, wie Abdurohid eine Auberginenscheibe nach der anderen brät. Was es wohl Feines zum Essen gibt? Ich kann es schon verraten: gerollte Auberginenscheiben mit Tomatenfüllung, dazu Mais und Gurken. Lecker!

Und im nächsten Bericht geht es weiter ins wunderschöne Tavasang-Tal …

Bis dahin grüßen euch herzlich eure Weltenbummler

Barbara & Paul

 

 

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Kalikalon und eine Flasche Joghurt

Hallo liebe Freunde,

am Abend stehe ich hinter unserem Zelt am Bibiykone-See, putze mir die Zähne und schaue auf die Gipfel der 4000 und 5000er um uns herum (Adamtash, Mirali, Rudaki, Mariya etc.), der Blick schweift auf den von der Restsonne angestrahlten Himmel und den spiegelglatten See, in dem ich mir vor ein paar Minuten noch den Staub der kahlen und steinigen Berge abgewaschen habe. Ein paar unserer Esel stehen ein wenig entfernt von mir und erholen sich wie wir vom Tag. Es ist eine unglaubliche Stille. Und Einsamkeit. Und genau in diesem Moment weiß ich, warum ich solche Reisen mit all ihren Strapazen mache …

Heute geht’s weiter auf unserer Trekkingtour durchs Kulikalon-Tal, wo wir inmitten von etwas mehr Grün weiterhin umringt von den gigantischen 5000ern sind.

Ich dachte mir, heute könnte ich euch mal unsere Begleit-Crew genauer vorstellen. Sicher lernt ihr sie gerne etwas näher kennen:

Manucher, unser Bergführer

Isatullo, unser Eseltreiber

Abdurohid, unser Meisterkoch

Foteh, unser zweiter EseltreiberAbdu, unser Guide und Übersetzer, er ist unser „Mädchen für alles“

Unsere positive Einstellung nehmen wir ab jetzt aus Abdu’s tadschikischem Sprichwort, das er uns genauso gerne erzählt wie einen Witz von Frau Merkel, den ich mir an dieser Stelle aber spare. Das eigentlich erstaunliche daran ist, dass es in Tadschikistan überhaupt einen Witz über Angela Merkel gibt!

Nun zu Abdus Sprichwort: „Anfang gut, alles gut.“ Nun, der Anfang war gut, dann ist ja alles in Ordnung. Irgendwie kommt uns das Sprichwort doch irgendwie bekannt vor …?

Heute führt uns Manucher entlang der wunderschönen Seenlandschaft des Kulikalon-Tales mit seinen 14 Seen, die sich uns, natürlich nicht alle, aber einige, in ihren strahlenden Farben von hellblau bis aquamarin und dunkelgrün präsentieren. Wir genießen dieses breite, grüne Tal mit den saftig grünen Bäumen.

Wir überqueren mehr oder weniger reißende Gebirgsbäche (Manucher testet immer erst die Steine, über die wir springen müssen auf ihre Tragfähigkeit – leider nicht immer mit Erfolg … beaucoups des salutations à toi, Manucher ;-)…).

Überraschenderweise entdecken wir an einem der Bäume ein selbst geschriebenes Schild „Edic-Shop and Hotel“ – na, da sind wir gespannt und folgen dem Pfeil. Tatsächlich. Eine Familie hat mit einfachsten Mitteln einen Einkaufsladen und ein Hotel eingerichtet, hoffend auf viele Touristen in diesem Tal. Wir drücken die Daumen, viel Erfolg!

Hier: Küche, Hotel, Lage, Shop

Nach „läppischen“ 300 Höhenmetern Aufstieg zum Chukurak-Pass folgen sich ellenlang ziehende 800 Höhenmeter Abstieg zum gleichnamigen See.

Als wir von einem Plateau aus unsere Zelte tief unter uns bereits entdecken können, kommen ein paar Kinder auf uns zugelaufen, die zu einer Art Alm gehören, wie man sie im Fan-Gebirge öfters findet, wie uns Abdu erklärt. Die Familien leben über die Sommermonate mit ihren Tieren, meist Schafe und Ziegen, aber auch Kühe, im Gebirge und produzieren Käse und Joghurt. Fragt nicht, wie sie das mit der Hitze hinbekommen, wir haben es nicht verstanden. Jedenfalls klappt das prima und der frische Joghurt wird uns noch des Öfteren gerne angeboten. Und, inzwischen haben wir ihn mehrfach probiert, er schmeckt noch viel besser als der fertig gegorene, bzw. fermentierte Joghurt. Auch von den hier lebenden Bergbauern werden wir zu Joghurt und Brot eingeladen, aber da unser Tee ein paar hundert Meter „unter uns“ bereits wartet, müssen wir die Einladung leider ablehnen. Den Kindern schenken wir noch ein paar Gummibärchen und Luftballons und machen uns auf das letzte Stück des Weges.

Den See, dessen Wasser uns diesmal nicht ganz so eiskalt erscheint (vielleicht auch nur, weil wir einheimische junge Männer drin schwimmen sehen?), nutzen wir sehr gerne um uns kurz abzukühlen und den Staub mal wieder am ganzen Körper loszuwerden. Wir ziehen unsere Badesachen an und springen kurz hinein.

Da kommen die Kinder der Alm auf einem Esel und mit vielen Plastikflaschen, um an einer Quelle Wasser zu holen. Wir machen gemeinsam Blödsinn, Paul fotografiert was das Zeug hält und zeigt ihnen die Fotos, was ihnen sehr viel Spaß macht. Der Junge hilft seiner Schwester nicht, er bleibt auf seinem Esel sitzen, er ist ja nur für den Transport zuständig in der rigorosen Männergesellschaft dieser Länder. Sie jedoch, ein apartes Mädchen, füllt mühsam Flasche für Flasche an der Quelle. Wir geben ihr noch ein paar bunte Haarklämmerchen und die Jungs bekommen einen Kugelschreiber.

Wir hatten noch ein wenig aufzuräumen, ein paar T-Shirts im See zu waschen und dann ruhten wir im Zelt aus. Plötzlich kommen die Kinder noch einmal zu uns, hocken sich vor unseren Zelteingang und lächeln uns freundlich an. Das Mädchen überreicht uns eine Riesen-Flasche frischen Joghurt. Es war ein so unvergesslich rührender Moment – dieses extra noch einmal zu uns runter an den See zu kommen, um uns auch etwas zu schenken – dass wir ihn sicher nie mehr vergessen werden. Den Joghurt, den wir gleich unserem Küchenchef brachten, hat Abdurohid nicht nur pur zum Abendessen angeboten, sondern gleich noch als Vorspeise verarbeitet mit geschnipseltem Brot, Gurken, Tomaten, Mais und Zwiebeln. Einfach genial, unser Sternekoch!

Und wieder endet ein Tag voller einmaliger Eindrücke, Landschaften und Begegnungen. Apropos, sobald uns jemand auf dem Weg begegnet, bleiben unsere Guides stehen und wechseln ein paar Worte. Immer werden wir gefragt, woher wir kommen – und als Deutsche sind wir offensichtlich mehr als willkommen. Die Menschen freuen sich, dass wir uns für sie und ihr Land interessieren und ganz viele sagen entweder sofort ‚Germania’, ‚Angela Merkel‘ oder ‚Toni Kross‘ oder andere Fußballer-Namen. Wahrscheinlich ist auch jeder froh, ein paar Worte wechseln zu können, weil so wenig Menschen dort leben. Und die wenigen Touristen, die unseren Weg kreuzen fragen sowieso immer gleich, woher wir kommen, wohin wir gehen, wie lange wir unterwegs sind und, und, und. Manche erzählen auch sofort von sich, wie ein Pärchen, das wir im Kulikalon-Tal trafen. Dass sie in England leben, immer ein Jahr mit Gelegenheitsarbeiten möglichst viel Geld verdienen, sparen und dann wieder ein Jahr reisen. Wir wünschten uns gegenseitig „good luck and a good hike“ und gingen unserer Wege.

So viele neue Eindrücke, tolle Begegnungen und traumhaft schöne Landschaften, wir haben das Gefühl, schon vier Wochen unterwegs zu sein.

Es grüßen euch herzlich eure Weltenbummler

Barbara & Paul

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