EU-Wasserkraft, die höchste Übernachtung und Abschied von Tadschikistan

Salemaleikum, liebe Blogleser, ein letztes Mal aus Tadschikistan,

wir möchten uns an dieser Stelle für die netten, bewundernden und lustigen Kommentare und Gästebucheinträge bei euch bedanken. Es lohnt sich für alle, mal „reinzulesen“. Vielen Dank dafür, sie machen uns großen Spaß!

Heute machen wir uns nun auf den Weg ins Tavasang-Tal. Dieser Touren-Abschnitt wurde unerwartet zur landschaftlich schönsten Strecke, wenn man das überhaupt so sagen kann, denn schön war alles auf seine eigene Weise. Vielleicht fehlt in den Sommermonaten etwas grün, das ist sicher zu anderen Jahreszeiten intensiver. Aber da wir auch die kargen Landschaften mögen, ist das für uns genau richtig.

Die Strecke führt an den beiden Gletscherflüssen Amshut und Samirai entlang. Mal direkt am Flussbett, dann wieder an den Hängen hoch mit Blick auf die 5000er. Der Weg wird zeitweise sehr schmal, und – wie üblich – steinig. Der tosende Fluss und das vielfache Grün bilden eine wunderschöne Kulisse. Vereinzelt haben sich hier Bauern angesiedelt, die Landwirtschaft betreiben. Es wirkt auf uns wie kleine Oasen.

In der Ebene am Fluss gibt es gar ein ganzjährig bewohntes Dorf, da es an dieser Stelle einerseits wenig Schnee im Winter gibt, wie wir erfahren, und andererseits Strom aus einem Generator mit Wasserkraft. So leben hier ca. 10 Familien und Manucher erklärt uns, dass dies durch ein Projekt der EU und der Welthungerhilfe möglich ist, die es im Jahre 2017 gebaut und die Menschen in die Wartung desselben eingearbeitet haben. Einige Satelliten-Schüsseln auf den Lehmhäusern zeugen auch hier vom Einzug des Fernsehens.

Unseren Weg begleitet der tosende Fluss und wir verstehen manchmal unser eigenes Wort nicht mehr. Ab und zu gilt es, diesen über mehr oder weniger sicher anmutende Brücken zu überqueren, was uns immer wieder, eben mehr oder weniger, Spaß macht. 😉

Bald haben wir ein schönes Plätzchen für die Mittagspause gefunden. Fest davon überzeugt, dass wir nur noch an die 3 Kilometer laufen müssen, sind wir entspannt und genießen die Pause.

Nachdem wir schon wieder eine Weile und mindestens 3 Kilometer unterwegs waren haben wir mal nachgefragt, wie weit es denn noch sei. Nun, es sind ungefähr nochmal 3 Kilometer … Um die Szene abzukürzen: schlussendlich sind es wiederum über 19 Kilometer und unerwartete 1.260 Höhenmeter geworden. Die letzten Meter zum Camp, wo wir schon von den aufgebauten Zelten und unseren unermüdlichen Helfern erwartet wurden, fielen uns sehr schwer.

Der Blick auf den Höhenmesser zeigt uns, dass es nicht nur unerwartet viele Höhenmeter geworden sind, sondern diese Übernachtung auch die unerwartet „höchste“ der Reise sein wird. Nämlich knapp unter 3.000 Metern. Und morgen kommt die letzte große Etappe über den Tavalong-Pass (3.300m) mit einem endlosen Abstieg ins Tal und der letzten Übernachtung in den Zelten.

Am Morgen haben wir alle drei Durchfall. Die Nacht war unruhig, jeder musste mal raus. Manucher hat gute Tabletten, Uli hatten sie auch schon geholfen, somit versuche ich sie auch einfach mal aus. Paul versucht es mutig ohne.

Der Aufstieg auf den Pass ist nach dieser fast durchwachten Nacht und mit dem Durchfall echt anstrengend für uns. Natürlich waren wir froh, als wir oben waren. Geschafft! Der letzte Pass der Trekking-Tour! Wir klatschen uns ab und genießen erst mal den herrlichen Panorama-Blick! Ehrlich gesagt wussten wir da noch nicht, was heute noch an Wegstrecken auf uns zukommt, abgesehen von der Tatsache, dass es über 900 Höhenmeter ins Tal sein werden. Nach einer Weile haben wir das Gefühl, hier liegen noch mehr Steine als bisher und der Pfad wird immer schmaler. Zwei Füße nebeneinander passen gar nicht mehr drauf. Da es meistens neben uns sehr steil runter geht tuen wir gut daran, uns voll auf den Weg zu konzentrieren.

Unterwegs entdecken wir diese Gebilde auf den Lehmhäusern. Abdu erklärt uns, dass darunter der Joghurt aufbewahrt wird. Als wir an einigen Behausungen vorbei kommen und wieder mal nur Frauen und Kinder zu sehen sind erzählt uns Abdu, dass die Männer dieses kleinen Dorfes meistens woanders arbeiten, aber immer einer von ihnen am Abend zurückkommt, um auf sie aufzupassen.

Trotz einer ausgedehnten Mittagspause und herrlichen Aussichten, mittlerweile auf den sogenannten 7. See, den größten von Sieben, fühlen wir uns ziemlich erschöpft.

Vielleicht ist nach den vielen Eindrücken und Anstrengungen auch einfach irgendwie die Luft raus, aber wir sind froh und mit uns sehr zufrieden, als wir gut am Fluss bei unseren Zelten ankommen.

Da es nun gilt, uns von unseren Eseltreibern zu verabschieden, machen wir noch ein Abschiedsfoto – unsere Super-Truppe für acht gemeinsame Tage!!!!

Nach einer letzten Nacht im Zelt und einer kurzen Wanderung vom 7. See zum 6. See erwartet uns dort das Auto, das uns mitsamt Abdurohid, Manucher und natürlich Abdu nach Pendschikent bringt. Da dort viel Gewusel mit Gepäck umladen und einsteigen und losfahren war, haben wir gar kein Foto davon.

Abdu freut sich, als er unseren Fahrer begrüßt und erklärt uns, dass wir mit ihm den besten Fahrer haben, den wir bekommen können – nun, sagen wir mal so, er ist ganz sicher der schnellste Fahrer, vielleicht hat Abdu das in dem schwierigen deutschen Wortschatz einfach verwechselt …

Das Ankommen im Hotel macht fast ein wenig traurig, der Abschied von unserem ‚Sternekoch’ fällt schwer, wir wünschen uns gegenseitig alles Gute. Er geht bereits am nächsten Tag gemeinsam mit Manucher mit einer dreiköpfigen Gruppe aus Russland zur Gipfelstürmung. Manucher bleibt uns mit Abdu heute noch erhalten, aber bald müssen auch wir uns verabschieden.

Ein ganz besonderer Moment ist – wahrscheinlich könnt ihr euch das nicht vorstellen – der erste Blick in den Spiegel. Wir stehen gemeinsam im Bad und staunen über unser Spiegelbild, das uns nach acht Tagen entgegenlächelt. Die Zivilisation hat uns wieder… Ein wenig schwer wird uns ums Herz. Das nächste Gefühl ist aber auch Erleichterung. Wir haben es geschafft, es ist nichts passiert, wir sind gesund und munter. Als wir WLAN einschalten, erfahren wir von einem Terror-Anschlag in Duschanbe auf Touristen. Es kann überall auf der Welt passieren, wir hatten das Glück zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein. Nämlich im herrlichen Fan-Gebirge Tadschikistans.

Mit Abdu machen wir noch einen Stadtrundgang durch Pendschikent und schauen uns den Markt in der Mahalla, dem dörflichen Viertel der Stadt, an …

… fahren zum Rudaki-Museum an, dort sieht man Keramiken, Waffen und Schmuck aus der alten Stadt …

… gehen auf den Ruinen der ‚alten Stadt’, der sogdischen Ruinenstadt, die als Pompeji Zentralasiens gilt. Sie stammt aus dem 5. und 6. Jahrhundert und wurde im 8. Jahrhundert durch die arabische Eroberung zerstört und verlassen. Leider wurden die Ausgrabungen eingestellt. Wir erfuhren, dass vor kurzem ein kleines Mädchen noch ein wertvolles Fundstück entdeckte und überlegten zu Dritt, ob wir eventuell einen Spaten kaufen und die Kosten der Reise durch Ausgrabungsfunde wieder reinholen sollten …

Am Abend das letzte gemeinsame Abendessen in einem landestypischen Restaurant, Verabschiedung von unserem Bergführer Manucher. Es gab eine ausgesprochen leckere Teigspezialität, deren Namen uns entfallen ist. Vielleicht kennt sie jemand?

Paul kann sich nicht verkneifen, ihm zu sagen, dass er zwar ein hervorragender Bergführer sei, aber leider bei Flussüberquerungen nicht so gut war, da müsse er noch ein wenig trainieren. Gelächter, ein wenig Verlegenheit. Ein Freund Manuchers ruft mir zu: il veut un baiser!! (er möchte einen Abschiedskuss). Na klar! Ein „Baiser“ rechts und links, dann winken und Auf Wiedersehen und von allen ein „Alles gut!“, das uns auf der gesamten Tour begleitet hat, weil Abdu und Manucher das immer wieder zu uns gesagt haben: „alles gut?“, wenn wir schnaufend die Pässe erklommen, „alles gut?“, wenn wir gemeinsam gegessen haben …

Am nächsten Morgen bringt uns Abdu an die tadschikisch-usbekische Grenze, er selbst darf nicht mit rüber. Rucksack aufsetzen, Koffer in die Hand und „Auf Wiedersehen“, vielleicht, irgendwann … und wir laufen los in der heißen Morgensonne, 500m Niemandsland, durch mehrere Passkontrollen mit unerwartet freundlichen Grenzsoldaten. Einer hat uns mit „Guten Tag“ begrüßt, ein anderer hat Pauls Alter angezweifelt und sich amüsiert, wie gut die Deutschen im Alter noch aussehen. Es war unerwartet einfach, obwohl doch diese Grenze erst Anfang des Jahres geöffnet wurde.

So liefen wir langsam und bewusst gemeinsam weiter auf die usbekische Seite zu und waren gespannt, ob die Telefonate Abdus Erfolg hatten, da er noch nicht so recht klären konnte, ob uns zu dieser Zeit in Usbekistan jemand in Empfang nehmen würde.

Kurzum, es klappte perfekt und wir wurden von Svetlana, unserer usbekischen Reiseführerin und André, unserem Fahrer abgeholt.

Die beiden waren, ebenso wie unsere Begleiter in Tadschikistan, ein Glücksgriff für uns, sehr nett und lustig und Svetlana wusste, genau wie Abdu, enorm viel zu erzählen! Aber davon im nächsten Bericht mehr.

Seid herzlich gegrüßt von eueren Weltenbummlern

Barbara & Paul

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