Eine traumhafte Wanderung zum Lac de Melo in der Restonica-Schlucht

Habt ihr Glück oder wir Pech? Gewitter über Bonifacio – und das heißt: Zeit zum Schreiben! Und wir hoffen natürlich, dass ihr ebenso Zeit zum Lesen findet …

Der Ort Corté, den wir uns noch am gleichen Spätnachmittag angeschaut haben, hat außer einer wie üblich hoch über der Stadt gelegenen Festung (Zitadelle) und einer mit den kleinen Gässchen ganz netten Altstadt nicht viel zu bieten. Überhaupt soll nicht unerwähnt bleiben, dass die Häuser überall auf der Insel nicht nur von sehr einfachem baulichen Charakter, sondern auch in extrem desolatem Zustand sind, was bei der Armut und politischer Vergessenheit natürlich kein Wunder ist. In manchen Straßenzügen kommt man sich nicht vor wie in Europa. Auch haben wir darüber nachgedacht und fragen nun die Architekten unter euch: warum sind fast alle Häuser, ob alt oder neu, mehrstöckig gebaut. Selbst in den Bergregionen hängen einfache, vierstöckige Betonbauten am Hang. Verschönerung in Form von etwas Farbe (die Ballettmädchen haben uns besonders gut gefallen) oder ein paar Blumen ist nur in wenigen kleinen Dörfern zu erkennen, oft natürlich tourismusbedingt. Andererseits stehen selbst an touristischen, geschichtsträchtigen Orten komplett desolate Gebäude. Wir wünschen den Korsen mehr Unterstützung ihres Mutterlandes.

007a.Corte.IMG_8911 (4) 007a.Corte.IMG_8911 (10) 007a.Corte.IMG_8911 (16) 007a.Corte.IMG_8911 (17) 007a.Corte.IMG_8911 (18) 007a.Corte.IMG_8911 (20) 007a.Corte.IMG_8911 (26) 007a.Corte.IMG_8911 (29) 007a.Corte.IMG_8911 (30) 007a.Corte.IMG_8911 (35)In dieser Gegend, die von über 2000m hohen Bergen umgeben ist, geht es allerdings sowieso ums Wandern (wobei man natürlich auf ganz Korsika wandern kann, denn das Land ist wirklich das beschriebene „Gebirge im Meer“). Von der Stadt aus gehen zwei wunderschöne Schluchten in die Umgebung, die links und rechts viele Wanderwege freigeben. Wir haben eine Wanderung am Ende des Restonica-Tales hoch zu den Gebirgsseen empfohlen bekommen (vielen Dank Sylvia und Holger!!). So sind wir am nächsten Morgen von unserem wunderschön an Wildwasser gelegenem Campingplatz mit unserem Roller (zum Wandern!  – das haben wir auch noch nie gemacht…) ins Restonica-Tal gestartet.

007b.Corte Wanderung ins Valleé de Restonica.IMG_0001 (75)Die Wanderung beginnt an der Bergerie de Grotelle (einer Bergsiedlung, inzwischen mit Käse-und Sandwichverkauf für die Touristen) und ist recht einfach beschrieben, mit nur kleineren Klettereien, bis zum ersten Bergsee, dem Lac de Melo, innerhalb ca. 1 Stunde zu begehen sein. Von dort aus ginge dann nochmal ein recht steiler, nicht so gut beschriebener Weg zum zweiten Bergsee, dem Lac de Capitello. Leider mussten wir feststellen, dass die Zufahrt zur Bergerie wegen eines vor kurzem erfolgten Felssturzes und abgegangenen Gerölles nicht möglich ist. Vor Ort hatte man schon reagiert und provisorisch einen anderen Parkplatz und Startpunkt eingerichtet und gleich eine zusätzliche Wanderstrecke von ca. 40 Minuten bis zu dieser Hütte gekennzeichnet, die aufgrund des herrlichen Panoramas und unter uns liegenden Flussbettes auch schon sehr schön war. Die eigentliche Route war traumhaft wie erwartet, allerdings ein wenig anspruchsvoller. Nach ca. der Hälfte des Weges, kurz bevor die Strecke ein wenig steiler wird, muss man sich zwischen zwei verschiedenen Routen entscheiden. Bei der einen kommt kurz vor Erreichen des Sees ein Teilstück, das an Ketten und über Leitern zu überwinden ist – die andere kommt ohne diese Hilfsmittel aus, führt aber je nach Jahreszeit über Rest-Schneefelder. Wir haben eher zufällig beim Aufstieg den Kletterweg gekommen, so entschieden wir uns, voller Freude gut oben angekommen, den anderen Weg für den Abstieg zu wählen. Ans weiter aufsteigen war nicht mehr zu denken, auch weil ein paar dunkle Wolken aufzogen und wir nicht bei eventuellem Regen über die glatten Felsen gehen wollten. Leider gaben die Wolken keinen Sonnenblick auf den wunderschön von grünen Sträuchern umsäumten See frei, in dem sich die Schneefelder der höhergelegenen Berge dann noch viel schöner gespiegelt hätten. Dennoch war es traumhaft und wir setzten uns für eine kleine verdiente Mittagspause und genossen die Landschaft in dieser Höhe.

007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (174) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (175) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (176) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (177) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (178) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (179) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (181) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (182) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (183) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (184) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (185)Der Abstieg war ein wenig abenteuerlicher als erwartet, denn die Schneefelder waren schon ziemlich angetaut. Der Trampelpfad, der sich durch die vielen Leute gebildet hat, die selbst mit kleinen Kindern hier laufen (!), ist abgelaufen und glatt, das erste Schneefeld relativ groß und steil. Paul geht festen Schrittes voran, so kann ich seinen Spuren folgen oder es natürlich auch so ausdrücken: ‘in seine Fußstapfen treten’. Nachdem wir die nächsten zwei kleineren Felder überwunden hatten war uns wohler. Es folgte nur noch die Überquerung des Flüsschens, dessen Quelle am Lac de Melo entspringt, der uns ein paar größere Steine dafür anbietet, und dann ging‘s auf normalen Wanderpfaden wieder nach unten.

007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (186) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (188) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (189) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (191) 007b.Corte Wanderung.IMG_0002 (192)Da zum Wochenende schlechteres Wetter angesagt wurde entschieden wir, weiterzufahren. Unser nächstes Ziel war nun der Golf von Ajaccio, der Hauptstadt Korsikas. Die Fahrt führt uns übrigens an einer von dem berühmten Monsieur Eiffel (woher kenne ich ihn nur?) gebauten Brücke vorbei.

Von den vier großen Golfen der Westküste ist dieser der mildeste. Wir lasen, dass hier 75% der Häuser nach 1949 gebaut wurden. Das sagt schon alles. Der Tourismus hat dies entstehen lassen und viele Menschen, eben auch die Korsen selbst, sind nun, gerade am Wochenende, in der Stadt und so geniessen wir echtes Leben und Treiben.Und noch ein Hinweis: ich schwöre, die Fotos von den jeweiligen Buchten mit den vielen Booten und/oder Leuchttürmen sind wirklich an verschiedenen Orten aufgenommen 😉  –  wird es euch schon langweilig?

008a.Fahrt Corte nach Ajaccio.IMG_0002 (177) 008a.Fahrt Corte nach Ajaccio.IMG_0002 (178) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (190) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (191) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (192) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (194) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (195) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (197) 008b.Ajaccio.IMG_0002 (198)Wir brechen nach einem Tag unsere Zelte ab (nein, nein, wir sind immer noch mit dem Wohnmobil unterwegs – ist ja nur so ein Spruch) noch dazu, weil es Sonntagmorgen wie angekündigt beginnt zu regnen. Wir fahren in Richtung Bonifacio.

009a.Fahrt Ajaccio-Bonifacio,Sarténe.IMG_0002 (189) 009a.Fahrt Ajaccio-Bonifacio.IMG_0002 (184) 009a.Fahrt Ajaccio-Bonifacio.IMG_0002 (185) 009a.Fahrt Ajaccio-Bonifacio.IMG_0002 (190)Bonifacio ist eine der wohl imposantesten Stadtanlagen Korsikas, Fotos bekommt ihr davon in den nächsten Tagen. Wir waren bislang nur kurz am Hafen, um uns nach Tickets für die Überfahrt nach Sardinien zu erkundigen. Hoch über dem Meer auf einen Kreidefelsen gebaut, von tiefem Blau um- und teils auch unterspült, von einer wuchtigen Mauer umfasst –  die beste Sicht auf die Stadt soll von der Seeseite sein. Na, kein Problem, in den nächsten Tagen werden wir die Insel ja mit der Fähre in Richtung Sardinien verlassen und diese Sicht bei hoffentlich gutem Wetter genießen können. Aber vorher nehmen wir uns die Stadt (terminlich natürlich gut auf die laufenden WM-Fußballspiele abgestimmt) voller Begeisterung noch zu Fuß und per Roller vor. Und so brauchen wir keine Angst um das Runzeln unserer Seele zu haben … (danke, Ingrid, für den netten Spruch im Gästebuch!).

Heute grüßen wir euch mit den besten Wünschen an unsere Fußball-Nationalmannschaft für einen guten Start in die WM 2014!! Auf dass wir bis zum Schluß Plätze mit Fernseh-Empfang brauchen 🙂

Eure Weltenbummler Barbara & Paul

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