Die Klippen von West Bay, der über 4000 Jahre alte Steinkreis und Salisbury

Ein herzliches Hello …

… it is the last blog from England! Er ist seit drei Tagen fertig, aber immer wieder kam etwas dazwischen die Fotos rauszusuchen, wir mussten uns um unseren Platz am Hafen wegen der Überfahrt kümmern und so ist der Text ein kleines Stückchen veraltet, ich möchte ihn aber dennoch so stehen lassen:

Wir sitzen gerade am Kay von dem Hafenstädtchen Poole und verbringen noch ein paar Stunden des Nachmittags bevor wir uns einen Übernachtungsplatz suchen, denn morgen Früh startet unsere Fähre zurück aufs Festland nach Cherbourg/Normandie.

Wir haben gerade ein wenig über die zurückliegenden Wochen sinniert und festgestellt, dass sich eine Reise nach Wales und Cornwall im Verhältnis zu Reisen auf Europas Festland vollkommen von der gesamten Atmosphäre, den Menschen, den Häusern, der Historie und der Kultur unterscheidet. Das Monumentale findet sich natürlich auch, in Form von Schlössern und Burgen oder Kathedralen, aber sonst ist alles irgendwie kleiner und beschaulicher. Besonders schön fürs Auge sind die vielen, noch riedgedeckten Häuser.

Nicht nur die Straßen, auch die Häuser mit ihren so schmalen Türen, dass wir unsere Möbel gar nicht durch bekämen. Die Liebe zur Natur ist groß, beschränkt sich aber auf die Natur selbst und wird offensichtlich weniger in den Vorgärten ausgelebt. 😉 Diese sind meist betoniert und auch Blumenkästen sind eher selten.

Was allerdings wirklich gigantisch schön, geschmackvoll, gemütlich und manchmal sehr außergewöhnlich ist sind die Pubs! Mit den vielen an der Theke glänzenden Zapfhähnen und meist mit viel Holz gestalteten Räumen sind sie wirklich ein Ort der Begegnung.

Wales und Cornwall sind auch in einer gewissen Art gemütlicher, die Menschen wirken ärmer, einfacher, aber zufriedener. Was uns besonders aufgefallen ist, ist eine Art der Menschlichkeit, die wir in unseren Gefilden ein wenig verloren haben. Vielleicht, weil wir uns gegenseitig nicht so sehr brauchen (einsame Farmen, weites Land), vieles ist bei uns vom Staat geregelt, Ansprüche auf viele Dinge sind vorhanden und werden genutzt. Ja, das ist ein wenig unsere Theorie dafür.

Rücksichtnahme untereinander, ein freundliches Wort, wenn man sich begegnet. Auto fahren ist kein Kampf um die Poole-Position sondern ein gegenseitiges aufeinander achten. Das Tempo, nicht nur auf den Straßen, ist gelassener. Die Busfahrer fahren erst los, wenn alle Fahrgäste sitzen. Sie begrüßen und verabschieden jeden einzelnen, der ein- oder aussteigt mit Witz und Freundlichkeit. Vielleicht sollten wir es einfach mal mit links fahren versuchen? 😉

Es gibt sehr viele Menschen im Rollstuhl, die am täglichen Leben teilnehmen. Liegt es am schlechten Gesundheitssystem, dass man so viele sieht, oder sieht man so viele, weil für sie barrierefreie Zugänge und Rücksichtnahme selbstverständlich sind. Was war zuerst, die Henne oder das Ei. Wir werden das noch weiter recherchieren, da es uns sehr beschäftigt. Es trifft gerade diesen Nerv, wie wir in allen möglichen Ebenen miteinander umgehen.

Neben den historischen Teilen der Städte, die einen zauberhaften Charme aussenden, sind uns, selbst oder gerade um das glitzernde London herum, viele ungepflegte, ‚ungeschmückte‘ Ortsteile aufgefallen. Schmutzige Häuser, herunterhängende Gardinen, unansehnliches Chaos hinter der Fensterscheibe und auf den Straßen und in den Geschäften sowieso. Davon schicken wir natürlich nicht jedesmal Fotos, denn wir möchten ja die sehenswerten Dinge eines Landes zeigen. Aber erwähnen müssen wir es schon, damit kein falscher Eindruck entsteht. 

Wir verlassen die Insel nun zum zweiten Mal und wieder mit ganz besonderen Erlebnissen und Eindrücken, die so anders sind, als wir es auf „unserem Festland“ haben. Die Weite der Landschaften, die herrlichen Wiesen, die Schafherden und der unendlich weite Blick über die Klippen, die Strände und das Meer – das haben wir in unseren Herzen. Und die freundlichen Menschen, die uns begegnet sind, die sich geduldig in Warteschlangen einreihen, die sogar Eis für Hunde anbieten und, vielleicht täuschen wir uns da, auch für Enten – die geduldig am Eiswagen anstehen. 😉

Und natürlich die Liebe der Engländer zu Fish and Chips nicht zu vergessen:

Und das Jubiläum „100 Jahre rote Telefonzelle“

Nun aber zurück zu den letzten zwei Tagen auf der Insel, die wir euch nicht vorenthalten möchten. Wir machten Station in West Bay, um zum Abschied nach einer wiederum ‚anspruchsvollen’ Fahrt auf einer immer schmaler werdenden Straße …

… nochmal hoch über den Klippen zu stehen und mit einem kleinen Spaziergang den Coast Path zu verabschieden, der wieder vor unserer Nase liegt. Das Ziel: Kaffee trinken in West Bay. 😉

Und echtes Strandleben ist bei diesem herrlichen Wetter auch möglich.

Und für Stonehenge machten wir nochmal extra einen Umweg (unsere Erinnerung aus unserer Reise 2009 daran ist so besonders).

Es gibt so viele verschiedene Theorien, dass ich euch mal zwei zur Auswahl anbieten kann. Eine der ältesten besagt, dass Stonehenge eine Kultstätte war. Die bekannte Anordnung der Steine lässt vermuten, dass das Monument für ein Ritual der Sonnenanbetung errichtet wurde. Auch heute noch treffen sich viele Menschen zur Sommersonnenwende um gemeinsam diesen besonderen Moment zur erleben. Dafür wird sogar der innere Steinkreis geöffnet, der ansonsten zum Schutz des Monuments nicht mehr betreten werden darf.

Eine weitere Theorie besagt, dass es sich um einen Ort der Heilung handelt. Es wurden menschliche Überreste in dem Gebiet gefunden, die alle von Verletzung oder von Krankheit gezeichnet waren, was ja noch nichts besagt, aber man stellte fest, dass sie von weit entfernten Orten wie Irland, Wales und Nordengland anreisten, um eventuell eine Heilung ihrer Leiden zu erhalten.

Egal wie auch immer, das Bewusstsein, dass hier vor fast 5000 Jahren aus irgendeinem Grund damit begonnen wurde, etwas besonderes zu schaffen, macht ihn zu einem magischen Ort. Das Laufen über den umliegenden Grund und Boden mit den vielen ebenso besonderen Grabhügeln und kreisrunden Gräbern lässt uns ehrfürchtig werden.

Wir hatten das besondere Glück mit unserem Wohnmobil ganz in der Nähe auf einem Feldweg stehen und übernachten zu dürfen. So erlebten wir, wenn auch von weitem, den Sonnenuntergang über Stonehenge.

In Salisbury, das ganz in der Nähe liegt, legen wir, um beim „globetrotteln“ zu bleiben, auch noch einen kurzen Stopp ein. Nach zwei Kilometern Fußweg (allerdings durch die erwähnten nicht so schönen Vororte) erschließt sich eine kleine, zauberhafte mittelalterliche Stadt mit einer riesengroßen, wunderschönen Kathedrale, deren Turm sich schon von weitem erkennen lässt.

Nur mal so, um sich die Größenordnungen vorstellen zu können: für den Bau dieser Kathedrale im April 1220 wurden 60.000 Tonnen Steine, 2.800 Tonnen Eiche und 420 Tonnen Blei verwendet. Die Kirchturmspitze ist mit einer Höhe von 123m und einem Gewicht von 6.500 Tonnen die größte Großbritanniens.

Und, als Frau und Chorsängerin soll diese Tatsache nicht unerwähnt bleiben, im Jahr 1991 wurde sie zur ersten Kathedrale Englands, in der ein Berufschor aus nur weiblichen Chorsängern gegründet wurde. 🙂

Beim Spazieren durch die Kreuzgänge machte Paul dieses Foto von zwei Zedern. Anschließend haben wir gelesen, dass sie vor mehr als 150 Jahren zur Feier der Thronbesteigung von Queen Victoria im Jahr 1837 gepflanzt wurden.

Zum Abschluss noch ein Kaffee zum Genießen der besonderen Atmosphäre und dann gehts wieder „nach Hause“ ins Wohnmobil.

Nun komme ich wieder zum Anfang. Wir sitzen hier am Kay und der Sturm wird immer heftiger und heftiger und wir wünschen uns, dass er bis zur Abfahrt unserer Fähre morgen früh wieder nachlassen möge. 🙂

Wir melden uns bei euch nach erfolgreicher Überfahrt aus Frankreich wieder. See you soon!

Bye, bye, our dears, eure Weltenbummler und „“Globetrotteler” Barbara & Paul

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2 Antworten zu Die Klippen von West Bay, der über 4000 Jahre alte Steinkreis und Salisbury

  1. Gabriele Fuchs sagt:

    So wie ihr euch Zeit lasst mit der Veröffentlichung, lasse ich mir Zeit zum nachlesen….und damit auch dem Nachempfinden, was das Inselleben so anders macht.
    Es freut mich sehr, dass ihr es genießen konntet und uns wieder mit so wertvollen Informationen dazu füttert 🙂
    Ich hoffe, eure Überfahrt gelang und die Weiterfahrt birgt weitere schöne Momente.

    Bis bald grüßt Gaby

  2. Hans Kranz sagt:

    Howdy Ihr Globetrotteler 😇
    ja, Stonehenge hat schon was. Man ist beeindruckt, wie die Menschen damals diese Steinkolosse transportieren und aufrichten konnten.
    In (bei) der Salisbury Cathedral ist die original Magna Carta Liberatum Urkunde von 1215 aufbewahrt. Damit nahm der Rechtsstaat seinen Anfang. GB hat daher bis heute keine Verfassung.
    Bin nun auf den Bericht von der 80-Jahr-Gedenkfeier zum D-Day gespannt.
    LG
    Hans

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