Ein königliches Fort, Kamelzucht und Ratten …

Ich muss diesen Bericht leider mit einer schlechten Nachricht beginnen, die uns gerade erreicht hat. Offensichtlich müssen wir unsere Reise wohl vorzeitig beenden, und auf kürzestem Weg auf den nächstmöglichen Flug umgebucht werden. In den nächsten Stunden werden wir – hoffentlich – nähere Informationen bekommen.

Das hält uns nicht ab, euch weiter mit unseren Eindrücken dieses wunderschönen und interessanten Landes zu versorgen.
In Bikaner stand unter anderem die Besichtigung des Forts „Junagarh“ auf unserem Reiseplan. Schon die Fahrt dorhin war wiederum von besonderen Eindrücken gespickt.

Die Schule beginnt …
Eine kleine Toilettenpause wurde zu einer Besichtigung eines schönen Innenhofes genutzt
Coole Jungs

Das Fort Junagarh wurde 1587 fertig gestellt, war über viele Jahre hinweg erbaut worden und ist heute noch von einer königlichen Familie bewohnt. Nur ein kleiner Teil ist für „das Volk“ öffentlich gemacht und restauriert worden, der größere private Teil ist für uns gesperrt – und in seinem Prunk nur zu erahnen.

Vor dem Eingang mussten wir uns wiederum von einem Medical-Health-Control-Team untersuchen lassen. Ein fünfköpfiges Team befragte uns und hat Fieber und Puls gemessen. Nachdem Name und Telefonnummer des Reiseleiters vermerkt waren, durften wir starten. Überall begegnet uns das Thema, der Weg aller Touristen ist selbst hier perfekt dokumentiert. Alle weiteren Reisegruppen wurden abgesagt, es kommt niemand mehr ins Land und es gibt keinerlei soziale Absicherung hier. Das ist die Katastrophe für alle, die in dieser Branche arbeiten. Die Welt steht Kopf und es ist eine nicht zu begreifende Stimmung.

Trotz allem zurück zu unserer Besichtigung, denn jeder versucht „business as usual“ und ist froh, dass wir noch ein paar Euros ins Land bringen.

Das Fort besteht aus 37 Palästen, Pavillons, Mosaikhöfen und Erkern und Tempeln. Sehr beeindruckend sind die kunstvoll entweder bemalten, bearbeiteten, gestrichenen und verzierten Wände und Balkone über den Innenhöfen. Interessant sind die vielen Motive aus der ganzen Welt. Und damit komme ich zurück auf die Bemalung in den Havelis. Motive aus der Religion, der Kultur, der Kunst und sogar von Wetterereignissen wurden ausgewählt, um der Bevölkerung, auch besonders den Kindern eine Möglichkeit zu bieten, Fremdes zu sehen und kennenzulernen. Sich „ein Bild davon zu machen“.

Die Wetterereignisse sind mir besonders im Kopf geblieben: es wurde eine ganze Wand mit Wolken bemalt und dem herausfallenden Regen, damit die Kinder, die hier in dieser Wüstengegend noch nie Regen gesehen haben lernen, wie Regen zustande kommt und aussieht.

Die Türen sind auch etwas ganz besonderes, mit Stuck, mit Silber oder Gold verziert. Die golden verzierte Deckenbemalung auch heute noch im Original erhalten. All das zeugt vom immensen Reichtum der Maharadschas.

Überrascht hat uns ein sehr niedrig gefertigtes Bett im Schlafzimmer der Eheleute, das seine kleine „Geschichte am Rande“ hat, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Früher sind auch die Betten des Maharadschas hoch gebaut worden. Nachdem sich aber mal ein Attentäter mit Messer unter einem Bett versteckte und dem Maharadscha des Nachts die Kehle durchschnitt, wurde befohlen, sein Bett nur so hoch zu bauen, dass kein Mensch mehr darunter passt.

Bedrückend für mich als Frau sind die „Frauenbalkone“, die sich um die Innenhöfe rankten und mit kleinflächig geschnitztem Holz-Sichtschutz versehen waren. Somit konnten die Frauen dem Leben und Treiben der Männer bei Festen und Zeremonien folgen, durften sich aber nicht zeigen.

Diese Männergesellschaft hat sich offensichtlich bis heute erhalten. Auf den Straßen und Plätzen, in den Geschäften, an den Marktständen, selbst in den Hotels an der Rezeption, im Restaurant, ja sogar die „Zimmermädchen“ sind Männer. Obwohl unser Guide erzählte, dass sich da gerade etwas ändert, da das Leben in Indien immer teurer wird. Dadurch gehen Frauen immer häufiger arbeiten. Aber so weit wollte ich gar  nicht ausholen, denn schon sind wir auf dem Weg zu einer Kamelzuchtfarm, wohl der einzigen in ganz Asien.

Die Tiere werden getrennt nach alten und jungen, männlich und weiblich, trächtig oder im gebärfähigen Alter usw.. Die Kamele kann man auch kaufen oder sie werden auf den Kamelmärkten der Umgebung angeboten. Im Durchschnitt muss man ca. 1.000 Euro für ein Tier kalkulieren – nur, falls sich jemand von euch dafür interessieren sollte. 😉

Das letzte besondere Erlebnis des Tages ist der Rattentempel. Ja, ihr habt richtig gehört. Wir fuhren nach Deshnoke, wo es einen Tempel voller heiliger Ratten gibt. Sie sind es deshalb, da sie als Reinkarnation der Verstorbenen gelten. Somit werden sie nicht nur gefüttert, sondern auch verehrt. Also ich war froh, wieder raus zu sein, da es in diesem Tempel derart stinkt …

Das ist einer von vielen groen Bottichen, in denen zum großen heiligen Fest für tausende von Pilgern gekocht wird.
Und zum Schluss noch eine Besichtigung der ortsansässigen Kamelwollen-Verarbeitungs-Cooperative – den hätte ich soooo gerne mitgenommen..

Mit diesen Eindrücken lassen wir euch nun erstmal alleine und verabschieden uns bis zum nächsten Bericht, der aufgrund der Ereignisse eventuell unerwartet spannend wird.

Mit großem Bedauern, aber nichtsdestotrotz für alles Erlebte mit viel Dankbarkeit im Herzen, bis dahin,

eure Weltenbummler Barbara & Paul

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Ein Kommentar zu Ein königliches Fort, Kamelzucht und Ratten …

  1. Gernot & Martina sagt:

    Lieber Paul, wir gratulieren dir ganz herzlich zu deinem Ehrentag und alles Gute zum Geburtstag.
    Eine andere Welt diese Kultur, ich bin überwältigt von den Bildern und eure Eindrücke.
    Bleibt bitte gesund und berichtet weiter.

    Herzlich Gernot & Martina

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