Hello again, dear friends,
und schon sind wir beim 4. Blog-Bericht angekommen! Die Zeit vergeht einfach wie im Fluge, es gibt so viel zu sehen und damit ebenso viel zu erzählen. Schon jetzt ist klar, dass es eine unvergessliche Reise bleiben wird.
Wir sind nun in Bendigo, der berühmten Goldgräber-Stadt mit dem, angeblich, größten Goldfeld der Welt angekommen. Um 1853 begann der Goldrausch in New South Wales und die Wirkung auf Australien war so groß, dass eine völlig neue Ärea für Australien anbrach und damit der wirtschaftliche Aufschwung. Täglich brachten Schiffe neue ‚diggers‘ (Goldsucher) ins Land.
Die Stadt wurde schon früh durch die zahlreichen englischen, europäischen, amerikanischen und chinesischen Zuwanderer geprägt und erhielt sogar, als eine von weltweit nur zwei Städten außerhalb Chinas, einen chinesischen Namen: Dai Gun Sun (großer Goldberg), ein trefflicher Name, denn es sollen immer noch 340 Tonnen Gold unter der Erde lagern.
Wie wir bei der Besichtigung mit Leon, unserem gestählten ehemaligen, mittlerweile über 70-jährigen Minenarbeiter erfuhren, darf, nachdem die Mine geschlossen war, seit einiger Zeit wieder Gold gefördert werden. Die Führung mit Besichtigung unter Tage war hochinteressant, wenn wir auch nur einen kleinen Teil der Erklärungen und Geschichten Leons verstanden, was einerseits an unserem schlechten Englisch aber, zu unserer Verteidigung, andererseits auch ein wenig an dem schwierig zu verstehenden australischen Englisch lag.
Ein kleiner Bummel durch die saubere überschaubare Kleinstadt mit ihren netten Gebäuden und der ganz besonderen fast amerikanisch cowboymässigen Stimmung musste natürlich noch sein. Sogar eine ganz besonder Ausstellung haben wir noch besichtigt. Im Informationszentrum des Ortes gab es eine künstlerische Ausstellung der Landfrauen. Sie haben Kleidung ausschliesslich aus Materialien gefertigt, die es bei ihnen auf dem Land gibt. Ausgesprochen originell.
Den Rückweg zum Auto haben wir durch einen herrlich angelegten Park genommen, der uns zu einer weiteren tierischen Sensation geführt hat. Zwei Bäume voller Flughunde in einer Größe, die wir so bei uns noch nicht gesehen haben.
Unser Übernachtungsziel war dann Albury, das bereits im zweiten Bundesland, das wir kennenlernen, liegt, und zwar in New South Wales am Murray River. Leider führte uns unsere Reiseroute nicht bei den berühmten Murray-River-Winzern vorbei (sodass wir sie nicht von Hans Kranz grüßen konnten ;-)), den guten Wein haben wir halt in einer Vinery gekauft und bei der gemütlichen Stunde am Abend genossen.

Nachdem wir ein wenig durch diese sehr gepflegte Stadt mit Atmosphäre aus der viktorianischen Zeit gebummelt waren, schauten wir noch am wunderschönen historischen Bahnhof vorbei.

Auf der Strecke durch das sogenannte Bushland (für den Australier ist alles, was außerhalb der Städte liegt, also Wälder, Felder, Farmen und Weideland, Bushland), kamen wir an einem fast 50km langen Stausee vorbei, der noch dazu eine fast skurrile Besonderheit aufweist: aus ihm ragen lauter abgestorbene Baumkronen heraus. Das sieht ziemlich mystisch aus.
Hier erstmal eine typische Baustelle im weiten Bushland unterwegs, dann zwei Fotos vom Bushland und im Anschluss der See, Lake Hume:


Da wir am nächsten Tag die „Besteigung“ nicht nur des unaussprechlichsten, sondern auch höchsten Berges Australiens, dem Mount Kosciuszko, geplant hatten, übernachteten wir auf dem letzten Campingplatz vor dem gleichnamigen Nationalpark. Hier fanden wir ein idyllisches Plätzchen am See für uns ganz alleine – natürlich gemeinsam mit der dortigen Vogelwelt. Uns fiel ein ganz besonders lustiger Vertreter seiner Art auf, nämlich der Kookaburra, der wegen seines charakteristischen Lautes auch „lachender Hans“ genannt wird. Obgleich es kein richtiges Lachen ist, hört es sich so lustig und menschlich an, dass wir unweigerlich jedes Mal mitlachen mussten.

Ach ja, und wir mussten besonders darauf achten wo wir unser Wohnmobil hinstellen, denn hier gibt es den Red-River-Gum, eine Eukalyptusbaumart, die bis zu 45m hoch wächst und dafür bekannt ist, aus heiterem Himmel riesige Äste abzuwerfen. Warum sie das tut, hat sich uns noch nicht erschlossen, wir werden es aber noch googlen. Als Zeltler wird man extra gewarnt, nicht direkt unter einem solchen Baum zu nächtigen.

Endlich ist es soweit: früh am Morgen fahren wir durch den dicht bewaldeten, noch frischen Nationalpark bis hin nach Thredbo, Australiens zwar kleinem, aber bekannten Skigebiet mit den besten Abfahrten.
Jetzt im Sommer wird es für Mountainbiker genutzt, die mitsamt ihrem Fahrrad mit dem Sessellift nach oben geliftet werden und sich von dort auf gespurten waghalsigen, mit Schikanen versehenen Abfahrten nach unten stürzen. Sofort haben wir an unseren Freund Werner gedacht, der, neben unserer gemeinsamen Wanderfreude, einleidenschaftlicher Mountainbiker ist und dort sicher seine Freude hätte. Von dieser Stelle aus viele Grüße an ihn und unsere gesamte Wandergruppe. Und hier mal ein Foto vom Sessellift für Mountenbiker:

Auch wir haben uns nun in den Sessellift geschwungen, um von dort oben aus den 7km langen Weg zum Gipfel des Mount Kosciuszko zu erklimmen, was allerdings zwar eine lange Wanderung war, aber die Erreichung eines Gipfels doch so einfach wie noch nie eine andere war. Nämlich haben die Australier ihre gesamte Natur dort oben geschützt, indem sie fast den kompletten Weg mit auf Stelzen stehenden Stahlgittern versehen haben … Trotzdem das sehr eigenartig ist, hat uns der Gipfelmoment sehr viel Spaß gemacht und beeindruckt!

Auf eine ganz andere Art beeindruckend war beim Blick über die unter uns liegenden, subalpinen Wälder, mit ihren Schnee-Eukalyptusbäumen und Riesen-Eukalyptusbäumen. Zur Jahreswende der Jahre 2002/2003 litten sie unter verheerenden Bränden, die monatelang nicht zu kontrollieren waren. Dabei wurde die Hälfte des Nationalparks vernichtet.


Damit soll es für heute genug sein, wir wollen euer Durchhaltevermögen nicht zu sehr strapazieren. Für uns geht es nach einem jetzt noch etwas entspannten Abend morgen dann weiter durch das Bushland in Richtung Canberra. Wir wünschen euch einen schönen Tag und wir sagen gute Nacht.
Eure Weltenbummler
Barbara & Paul

