Eigentlich wollten wir nach unserem Tag Natur-Pause auf dem Weg zu den Moeraki-Boulders noch einen Stadtbummel in Dunedin, der naheliegenden größeren Stadt, einlegen. Wie in unserem Reiseführer beschrieben gibt es dort sehr nette historische Häuserketten und vor allem aber einen sehenswerten Bahnhof. 
Na, das lassen wir uns nicht entgehen und finden das Städtchen zwar vernachlässigenswert, aber der Bahnhof ist genial. Schon von außen, wie ihr dem Foto entnehmen könnt eine Augenweide, von innen aber genauso gut erhalten. Mit den alten Kacheln und Fahrkartenschaltern kommt man sich zurückversetzt vor ins vorletzte Jahrhundert.
Und als Bonusprogramm erhielten wir noch direkt daneben einen lebhaften, lokalen Samstagsmarkt geliefert, der uns ins Alltagsleben der Neuseeländer beförderte.

Auf dem Rückweg zu unserem Parkplatz liefen wir noch am Rathaus und der Kathedrale vorbei, der neuseeländischen Ausgabe der St.Paul’s Cathedral.
Auf dem Weg nach Oamaru, einer Küstenstadt, die uns wegen ihres historischen Hafens interessiert, liegen noch die von allen Touristen Neuseelands besuchten Moeraki-Boulders, Dabei handelt es sich um eine kunstvolle Laune der Natur, die durch das Zusammenwirken von verschiedenen Mineralien und Lava und dem Meer und dem entsprechenden Zeitraum von Jahrmillionen diese riesengroßen kugelrunden Steine geformt hat. Sie sehen aus wie liegengebliebene Murmeln eines Riesen.



Die Hafenstadt Oamaru ist absolut sehenswert, nicht nur ihr historischer Hafen auch die Stadt selbst gefällt uns ganz gut. Den Hafen nehmen wir aber ganz besonders in Augenschein und werden nicht enttäuscht. Dort stehen große Warenhäuser aus dem in der Nähe abgebauten, hellen Kalksandstein, die ihre Verwendung jetzt in Restaurants, vor allem Galerien oder Geschäften finden. Alles ist noch im Aufbau befunden, aber was schon fertig ist sieht richtig gut aus: alter Stil und modernes Ambiente. Eine Galerie im zweiten Stock, die über eine uralte Holztreppe erreicht wird, bei der wir uns mit jedem Schritt vorstellen, wer wohl schon alles diesen Weg genommen hat. Oben angekommen finden wir Saalgroße Räume vor mit Ausstellungen und Schmuckdesign. In einem anderen Gebäude ist ein Veranstaltungsraum mit Bühne, Tresen und ganz verschiedenen, zusammengetragenen Holzbänken und Tischen bestückt worden. Ein tolles Ambiente für einen musikalischen Abend. Auf einer Seite dieses ebenfalls großen Raumes hängen die Geschirrtücher des Restaurants zum Trocknen, in einer anderen Ecke ist ein alter Ohrensessel liebevoll mit ein paar Kissen dekoriert zu sehen, also alles recht liebevoll hergerichtet.Es macht Spaß hier durchzuschlendern und zur absoluten Krönung finden wir eine Bäckerei, die echtes italienisches Ciabatta anbietet, endlich mal wieder ein Brot, das schmeckt. Ansonsten findet man nämlich genau wie in Amerika nur Weißbrot, das sich eher zum kneten oder rollen, denn zum Essen verwenden kann. Dazu holen wir uns noch von dem feinen Meeresfrüchtegemisch, was man im Supermarkt günstig bekommt (da sind Muscheln drin, Tintenfischringe, Shrimps, Hokifischfilet und alles mögliche) und freuen uns schon drauf, das ganze später zu brutzeln und mit einem Gläschen Rotwein zum Abendessen zu verspeisen.




Die dann folgende Strecke, die Paul rausgesucht hat mit seinem ‘Näschen’ für schöne Landschaften, ist wieder absolut anders als das, was wir bislang gesehen haben, aber mindestens ebenso schön – direkt eine neue Facette Neuseeland-Natur. War ich erst ein wenig traurig, noch ins Landesinnere, also vom Meer wegzufahren, so hat sich das ganz schnell in Begeisterung über diese tolle Landschaft gewandelt! Wir durchfahren ein kilometerbreites Tal, das von an Mondlandschaft erinnerndem Gebirge gesäumt wird, von einem Flusslauf, der in einem zwei Staustufen umfassenden Stausee mündet (natürlich umgekehrt, aber wir fahren halt in die andere Richtung – ihr müsst schon gedanklich ein wenig flexibel sein…) und der absolute Wahnsinn ist dessen Farbe: helltürkisblau. Lasst euch das auf der Zunge zergehen: helltürkisblau, dazu blauer Himmel, weiße Wolken und Abendsonne. Ohne Worte.





Unser, also genauer Pauls, Ziel ist der Lake Takepo, der uns mit Einsamkeit und eben dieser Farbe im Reiseführer lockt. Wir kommen an diesem Tag noch bis Omarama, wo wir uns mangels freier Stellplätze auf einem Campingplatz unterbringen. Am folgenden Morgen lacht uns die Sonne wieder an und glücklicherweise entscheiden wir mit Blick auf die Landkarte, noch einen kleinen Abstecher, na ja, eine Stichstraße immerhin 50km hin und 50km zurück, zum Mt. Cook, dem mit seinen 3.754m höchsten Berg Neuseelands, zu machen. Wir hatten ihn schon von der anderen Seite, ihr erinnert euch vielleicht, vom Fox-Gletscher aus, gesehen, aber von dieser Seite aus zeigt er sich schon von weitem in voller Schönheit mit seinen eis- und schneebedeckten Gipfeln. Vor allem aber lockt der Blick auf den etwas “kleineren” Berg, den Mt. Sefton, 3.157m, der mit seinen gewaltigen Gletschern mächtig Eindruck auf uns macht.
Die Straße hat etwas beruhigendes und faszinierendes zugleich, es wirkt wie endlose Weite, ab und an, wie schon gewohnt, eine Rinder- oder Schafherde, einige Pferde, vereinzelte Gehöfte, aber weitgehend unberührte Natur – eben nur diese Straße mit ihrem Blick auf die hohen Berge und viele wie künstlich weich gezeichnete Hügel am Rande und ganz ungewöhnliche Wolkenformationen. Die Straße reicht bis kurz vor den Mt. Cook, dann gibt es noch einen Parkplatz, ein Hotel und einen Campingplatz und dann ist Schluß. Bis auf einen Walking Track, also Wanderweg, der durch diese Ebene zu einem noch besseren Blick auf den Mt. Cook führt. Da wir beide so fasziniert davon sind, entscheiden wir, zumindest einen Teil dieser Strecke zu laufen, damit wir ihn uns so richtig ansehen können, also ich zumindest, und Paul eben fotografieren. Es werden zweieinhalb Stunden, die wir so richtig genießen konnten, war es doch ein Weg so richtig nach unserem Geschmack: über Stock und Stein, zwei Hängebrücken wurden von uns überquert und dann baute er sich vor uns auf! Na, ihr seht ja die Fotos – und? Zuviel versprochen?


Also für uns war es ein völlig überraschendes, aber unvergessliches weiteres Highlight auf dieser Reise. Unser Ziel, der Lake Tekapo, hat tatsächlich genau die selbe tolle Türkis-Färbung wie wir sie bei dem Stausee gesehen hatten und bei den Gletscherflüssen – die Farbe von eiskaltem Gletscherwasser in Verbindung mit Sonne. Leider ist auch hier freies Campen streng untersagt, sodass wir uns entscheiden, die Nacht auf einem Naturcampingplatz ca. 10km entfernt zu verbringen. Es steht noch ein weiteres Wohnmobil darauf, später kommen noch vier junge Leute mit Zelt, sonst ist weit und breit nichts. Als wir draußen beim Abendessen sitzen hören wir ganz überrascht, dass wir nichts hören – es ist absolute Stille außer dem Surren von Fliegen oder Libellen. Wir sind in der Einsamkeit Neuseelands und diese Ruhe, diese Fahrt durch das so einsame Gebiet, das erinnert uns alles doch sehr an Amerika.



Hallo Abenteurer,
ihr werdet doch die Riesen-Murmeln nicht mit nach Hause nehmen, um auf der Terasse damit zu spielen? Die Fotos sind wieder beeindruckend, weiter so. Wir brauchen nicht so weit in Urlaub fliegen, sondern nur eure Berichte und Bilder lesen und anschauen.
Ich wünsche euch auf Hawaii genauso viele und schöne Eindrücke Renate