Hallo ihr lieben Blogleser,
also eigentlich hatten wir ja fest vor, den Geirangerfjord über die Fährverbindung zu verlassen, um noch einmal dieses besondere Erlebnis zu haben, durch diese steil aufragenden Berge tief unten im Fjord zu fahren und die gigantischen Wasserfälle zu betrachten. Aber es kam anders, denn wir plauderten zufällig mit einem der vielen Angler während dieser seine wirklich tollen Fische ausnahm. Und er empfahl uns auf jeden Fall die Gebirgsstrecke zu nehmen, die sei mindestens so gigantisch wie die Fahrt durch den Fjord. Und was soll ich sagen, er hatte Recht! Also bitte habt Verständnis für diese vielen Superlative – anders kann es in Norwegen einfach nicht klingen, auch wenn wir uns damit wiederholen.
Wir fahren mal so eben 1500m über eine von tosenden Wasserfällen begleitete Straße bis hinauf auf den Gipfel des Dalsnibba. Von dort oben hätten wir ja das Glück haben können, den Fjord noch einmal zu sehen.
Leider lagen ein paar Wolken darin, sodass der Genuss ein klein wenig geschmälert war, aber immer noch ein toller Blick – und ein gutmütiger Troll.
Die anschließende Fahrt durch das ca. 70km lange Tal Ottadal war nicht minder genussreich und in Lom unterbrachen wir die Natur für ein Stückchen Kultur. Nämlich für eine malerisch gelegene Stabkirche aus dem 12. Jahrhundert mit geschnitzten Drachenköpfen am Giebel. Sie wurde mehrfach erweitert, aber der Kern ist tatsächlich erhalten – was Menschen schon damals fähig waren zu erbauen.
So fuhren wir und fuhren, wiederum geht es bergauf und die Schneefelder wurden immer größer und größer. Wir kamen von einem ‚ah‘ und ‚oh‘ ins nächste und auf einmal sagt Paul: eben habe ich einen Skifahrer gesehen und schon nach der nächsten Kurve tut sich uns ein großes Hochplateau auf, auf dem eine riesige Loipe angelegt ist und wir sehen plötzlich sehr viele Ski-Langläufer – und weil die Sonne so herrlich schien fuhren alle in kurzen Hosen und die Männer in freiem Oberkörper. Ein so harmonisches Bild und am liebsten wären wir mitgefahren (haben wir doch Langlauf-Skier vergessen mitzunehmen ;-)).
Diese Stimmung, diese Höhe und die herrliche Sonne bewogen uns dazu, hier unser Übernachtungsdomizil aufzuschlagen. Gesagt, getan, wir fanden auch gleich einen kleinen Parkplatz am Rande der Straße und genossen den Abend und die Nacht mit einigen jungen Bergsteigern, die hier zelteten und vor allem mit drei jungen Abenteurern, die sich mit ihrem kleinen Bus hinter uns stellten und unsere Sympathien schnell gewannen.
Während wir kochten und aßen beobachteten wir sie, wie sie über die Schneefelder liefen, einer von ihnen seinen Gleitschirm auf flachem Gelände nutzte, unermüdlich immer wieder hoch zur Startstelle und den sanften Abhang wieder hinunter. Ein anderer schlug im Schnee sein Zelt auf und seinen Fotoapparat auf ein Stativ um, wie wir später erfuhren, den Sonnenuntergang und Sonnenaufgang zu fotografieren. Dann holte er sein Boot und fuhr die Schneehänge mit seinem Kajak runter. Die Jungs hatten einfach Spaß und wir mit ihnen – nur vom Zusehen. Später plauderten wir noch ein wenig und boten ihnen für den nächsten Morgen eine Tasse heißen Tee an – leider war unser Brot alle, so musste der Tee reichen.
Falls ihr das irgendwann lest, Oscar, der Neuseeländer, David, der Engländer und Anton, der Schwede: wir schicken liebe Grüße, „have a good trip and be safe, all the best for you!“
Nach dieser herrlichen Übernachtung in der noch fast die ganze Nacht scheinenden Sonne führt uns unser Weg zum nächsten Ziel: dem Gletscher Jostedalbreen, genauer gesagt, eine seiner Gletscherzungen, die gut mit dem Auto und einer gut 2-stündigen Wanderung zu erreichen ist.
Was für ein Erlebnis, das Wetter spielt mit und wir fahren ihm, wiederum von einem reißenden Fluss begleitet, entgegen. Hier muss ich mal erwähnen, dass in diesem Jahr auch für hiesige Verhältnisse, wie auch schon in Schweden, sehr viel Schnee gefallen war. Die Norweger sagen, der neue Schnee wird kommen bevor der letzte Schnee geschmolzen ist. Und dass das mit den steilen Bergen und engen Tälern eventuell noch schwierig werden kann, da einfach zu viel Schmelzwasser auf einmal von den Höhen in die Tiefe stürzt. Zurzeit ist es einfach noch toll, denn somit sind die Wasserfälle riesig, die Flüsse schäumen vor Fülle und wir können diese besonderen Schauspiele genießen. Aber die Menschen vor Ort bereiten sich schon eher auf Flut vor. Wir wünschen ihnen, dass sie nicht zu viele Schäden zu beklagen haben werden.
Ja, und dann ist da dieser Gletscher – mir fehlen langsam die Worte! Er ist nicht umsonst der größte Gletscher Europas auf dem Festland, umfasst sage und schreibe 487 km² und das Eis ist bis zu 500m dick. Uns erwartet eine wunderschöne, felsige Landschaft, der große Gletschersee und die blau leuchtende Gletscherzunge … seht einfach selbst!
Glücklich und körperlich ausgelastet nach diesem Fußmarsch über Felsen, Gletscherbäche und Hängebrücken, die über tosendem Gletscherwasser gespannt sind, geht es gleich weiter!
Wir fahren die sogenannte Aurdalfjell-Straße. Also, wir könnten sie auch mit einem Tunnel umgehen. Dieser Tunnel ist 24km lang. In Worten: Vierundzwanzig Kilometer! Aber, da sehen wir ja nix. Nö, wir nehmen die Gebirgsstraße! Gut, sie ist halt 48km lang, steil und eng … und so winden wir uns in kurzer Zeit heute zum dritten Mal von Meereshöhe auf 1500m Höhe – und sind wiederum mitten im Schnee. Da die Temperaturen dennoch sehr mild sind entscheiden wir, draußen zu essen. Wie sagte ich doch schon im letzten Bericht? Es gibt Momente … 😉
Tja, aber auch wir Glückskinder müssen auch mal kleine Abstriche hinnehmen. Kaum zu glauben, oder? Am nächsten Morgen ist dicker Nebel, es regnet sich ein und die Wolken haben uns fest im Griff. So machen wir erstmal gemütlich, warten und hoffen, dass sich die Sonne vielleicht doch noch durchsetzt und entscheiden aber dann irgendwann, diesen magischen Ort doch zu verlassen, der Regen wird nämlich noch stärker.
So sind wir an zwei Tagen von einem Höhepunkt zum nächsten gesaust (und das nicht nur im übertragenen Sinne), sind überglücklich über diese Erlebnisse und kommen Stück für Stück in die reale Welt zurück, bis wir heute in Bergen landen.
Und darüber berichten wir dann das nächste Mal.
Wie immer herzliche Grüße, bleibt uns treu und meldet euch weiterhin so fleißig.
Ach ja, das Rätsel! Oh, dazu haben wir jetzt gar keine Zeit mehr. Na dann im nächsten Bericht, okay?
Bis dahin,
eure Weltenbummler





































